Politik RHEINPFALZ Plus Artikel Steinmeier bei Weltkriegs-Gedenken: Dieser Krieg war ein deutsches Verbrechen

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Am 1. September vor 80 Jahren begann mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg. Bei den Gedenkfeierlichkeiten lässt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier keine Zweifel an der Schuld Deutschlands für diesen Krieg und die begangenen Gräueltaten aufkommen.

In ganz Polen heulen am 1. September um 4.45 Uhr die Sirenen. Sie markieren den Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939. Nicht nur in der Ostseestadt Danzig, in der Kleinstadt Wielun zwischen Lodz und Breslau und in Polens Hauptstadt Warschau gedenken die Menschen der Opfer dieses Krieges. An seinem Ende waren rund 60 Millionen Menschen weltweit tot – ermordet, verhungert oder an Krankheiten und Auszehrung gestorben. Das deutsch besetzte Polen wurde auch zum Tatort der Shoah, des deutschen Völkermords an sechs Millionen europäischen Juden.

Zum 80. Jahrestag des Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hatte Polens Präsident Andrzej Duda rund 30 Delegationen aus EU- und Nato-Staaten eingeladen, darunter auch den deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und US-Präsident Donald Trump. Anders als 2009 wurde dieses Mal der russische Präsident Wladimir Putin ausdrücklich nicht eingeladen. Offiziell, weil Russland weder EU- noch Nato-Mitglied ist, in Wirklichkeit aber wegen der imperialen Kriegs-Politik gegenüber Polens Nachbarn Ukraine. Trump hingegen musste sein Kommen kurzfristig wegen des Hurrikans „Dorian“ absagen. An seiner Stelle kam sein Stellvertreter Mike Pence. Überraschend hatte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel noch ihr Kommen angekündigt, ohne aber auf die Rednerliste aufgenommen zu werden.

„Dieser Krieg war ein deutsches Verbrechen“

„Es gibt keinen anderen Platz in Europa, auf dem es mir so schwer fällt, meine Stimme zu erheben und in meiner deutschen Muttersprache das Wort an Sie alle zu richten“, sagte Steinmeier auf dem zentralen Pilsudski-Platz in Warschau. Hinter dem angrenzenden Sächsischen Garten richteten die Nazis das größte Ghetto Europas ein, in das nicht nur die 350.000 Juden Warschaus gepfercht wurden, sondern weitere 100.000 aus den Orten ringsum Warschaus und sogar aus anderen Ländern. Von hier aus fuhren die Züge ins Vernichtungslager Treblinka.

Doch Steinmeier erwähnte die Juden und den Holocaust mit keinem Wort. Er bekannte sich in Warschau zur historischen Schuld Deutschlands: „Dieser Krieg war ein deutsches Verbrechen. Davon zeugt die Geschichte dieses Ortes. Vom ersten Tag des Krieges an nahmen die Deutschen Warschau unter Beschuss. Jahrelang wüteten sie in dieser Stadt“, sagte der Bundespräsident. „Wir werden nicht vergessen“, betonte Steinmeier. „Wir vergessen die Wunden nicht, die Deutsche Polen zugefügt haben. Wir vergessen das Leiden der polnischen Familien ebenso wenig wie ihren Mut zum Widerstand. Wir werden niemals vergessen. Nigdy nie zapomnimy!“

Präsident Duda richtet persönliche Worte an Steinmeier

Am frühen Sonntagmorgen, um 5.30 Uhr, hatte Steinmeier in seiner Rede in Wielun drei Sätze auf Polnisch gesprochen. „Ich verneige mich vor den Opfern des Überfalls auf Wielun“, sagte er in der Sprache der Nachbarn, die vor 80 Jahren zu Kriegsbeginn Ziel des ersten Angriffs deutscher Sturzkampfbomber wurden. Der polnische Staatspräsident Andrzej Duda richtete in Wielun ungewöhnlich persönliche Worte an Steinmeier. „Dass sie hier sind, ist eine Form der moralischen Wiedergutmachung“, sagte er. Für die deutschen Besucher müsse es schwer sein, an diesem Tag der Opfer jener Verbrechen zu gedenken, die von dem Land ihrer Väter und Großväter ausgingen. Doch nur Wahrheit könne zu Vergebung und Freundschaft führen.

Das von der polnischen Regierungspartei PiS gesetzte Thema Reparationszahlungen umschiffen Duda und Steinmeier, anders als Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki, an diesem Gedenktag. Der Bundespräsident stellte aber klar: „Unrecht und erlittenes Leid können wir nicht ungeschehen machen. Wir können es auch nicht aufrechnen.“

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