Bundespräsident beim Pontifex RHEINPFALZ Plus Artikel Steinmeier bei Papst Leo XIV: Der unverzichtbare Vermittler in Krisenzeiten

Papst Leo XIV. empfing den deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zu einer Privataudienz.
Papst Leo XIV. empfing den deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zu einer Privataudienz.

Nach seiner Privataudienz bei Leo XIV. ist Frank-Walter Steinmeier verhalten optimistisch: Der Pontifex könnte eine wichtige Rolle bei Bemühungen um Frieden spielen.

Die Vormittagssonne taucht den deutschen Friedhof zwischen der päpstlichen Audienzhalle und dem mächtigen Petersdom in gleißendes Licht, als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier aus den kühlen Gemächern des Vatikans zur deutschen Delegation zurückkehrt. Ein Friedhof ist ein ungewöhnlicher Ort für eine Pressekonferenz, doch der Campo Santo Teutonico, wie die Ruhestätte offiziell heißt, ist eine grüne Oase und wird von den deutschen Mitarbeitern der Kurie gerne für Ruhepausen genutzt. Seit der Zeit Karls des Großen wurden hier katholische Pilger aus dem deutschen Sprachraum bestattet, wenn sie nicht mehr heimkehren konnten.

Dass der in Chicago geborene Robert Francis Prevost als Papst Leo XIV. bereits vier Monate nach seiner Wahl den Bundespräsidenten nach Rom eingeladen hat, gilt als große Ehre für das deutsche Staatsoberhaupt. Steinmeier schenkt dem Papst unter anderem Riesling aus dem Bischöflichen Weingut im Rheingau und ein Faksimile des Notenblatts von Johann Sebastian Bachs „Wohltemperiertem Klavier“, da der Papst gerne Klavier spielt. Steinmeier nutzt die Gelegenheit, den Papst nach Deutschland einzuladen.

Privataudienz beim Pontifex

Der Bundespräsident, der Protestant ist, wird von seiner katholischen Ehefrau Elke Büdenbender begleitet. Zuletzt waren Steinmeier und Gattin bei der Beisetzung von Papst Franziskus Ende April in Rom. Beide führen am Montag in einer vertraulichen Privataudienz ein rund einstündiges Gespräch mit Papst Leo.

Die friedliche Ruhe des malerischen deutschen Friedhofs im Schatten der Petersbasilika bildet im Anschluss an das Gespräch den größtmöglichen Kontrast zu den Themen, die Steinmeier mit Papst Leo im Apostolischen Palast besprochen hat. Es ging, wie zu erwarten war, um die Kriege und Konflikte in der Ukraine und in Nahost, um humanitäre Notlagen, aber auch um die Bedrohung von Christen in aller Welt.

Schwerpunkte des Pontifikats noch unklar

Angesprochen hat der Papst auch seine Sorge über die sinkende Mitgliederzahl in den christlichen Kirchen als Folge der Skandale um sexuellen Missbrauch und die allgemeine Säkularisierung der Gesellschaft.

Die deutsche Delegation verbindet mit dem Besuch auch die Hoffnung, etwas mehr darüber zu erfahren, in welcher Art und Weise der Papst sein Pontifikat ausrichtet. Bisher ist wenig bekannt über seine möglichen Schwerpunkte, auch fehlt ein programmatisches Schreiben, in dem der vor einer Woche 70 Jahre alt gewordene Pontifex darlegt, wohin die Reise der Kirche geht. Viele stellen sich Fragen: Wie schließt Leo XIV. an seine Vorgänger an oder setzt sich von ihnen ab? Zumindest deutet sich an, dass der neue Papst wenig Interesse an zeitgemäßen Kirchenreformen hat, was den deutschen Katholiken Anlass zur Sorge gibt.

Schwierige Lage in der Ukraine und in Nahost

Beim Thema Ukraine-Krieg steht Leo XIV. nach den Worten Steinmeiers für Vermittlungen zwischen den Kriegsparteien bereit. Beide sind sich aber einig, dass es auf russischer Seite keine Bereitschaft für einen Waffenstillstand gebe, geschweige denn für einen gerechten Frieden. „Wir können nicht darauf verzichten, wenn der Papst und der Vatikan hier ihre Hilfe anbieten“, betont Steinmeier. Der Papst werde, so sein Eindruck, „sein Gewicht in die Waagschale werfen“. Er habe ihn auch ausdrücklich dazu ermuntert, so Steinmeier.

Mit Blick auf den Gaza-Krieg und das Vorgehen der Israelis erinnert Steinmeier an die Aussage des Papstes, es widerspreche dem Völkerrecht, Hilfslieferungen vorzuenthalten und damit ein Volk kollektiv zu bestrafen. Inwieweit er damit beim kürzlichen Besuch des israelischen Präsidenten durchdringen konnte, ist laut Steinmeier nicht abzuschätzen.

Hungersnöte werden besprochen

Zur Sprache kommen in der Privataudienz auch die von Hungerkatastrophen gekennzeichneten Krisenländer Sudan, Mali, Haiti, Jemen und neuerdings auch das Gebiet des Gazastreifens. Der jetzige Papst, der 20 Jahre in Peru wirkte, kennt durch seine Arbeit mit den Ärmsten die Herausforderungen solcher Länder.

Steinmeier greift dieses Thema nach seiner Audienz bei Papst Leo auf, indem er in Rom die katholische Bewegung Sant'Egidio besucht, die sich der karitativen Arbeit, der Diplomatie in Bürgerkriegsgebieten sowie dem Dialog der Religionen widmet. Auch Steinmeiers Visite bei dem in der italienischen Hauptstadt ansässigen UN-Welternährungsprogramm soll ein Zeichen setzen: Der Rückzug einiger Staaten bei der Finanzierung solcher Programme treibt den Bundespräsidenten um, sagt er, ohne den Rückzug der USA aus der Unterstützung dieser Organisationen namentlich zu nennen.

Steinmeier fordert nachdrücklich mehr „Respekt“ der Staatengemeinschaft gegenüber diesen internationalen Organisationen, die „ganz unmittelbare, unverzichtbare Arbeit leisten“.

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