Kolumne RHEINPFALZ Plus Artikel SOS aus Berlin

Ein Bodendenkmal, das man an dieser Stelle nicht erwartet.
Ein Bodendenkmal, das man an dieser Stelle nicht erwartet.

Ein unscheinbarer Kanaldeckel am Reichstagsgebäude erzählt die Geschichte des weltberühmten Notrufsignals.

Dit-Dit-Dit, Daa-Daa-Daa, Dit-Dit-Dit. Das ist nicht der Titel eines Songs aus den Zeiten der Neuen Deutschen Welle, das ist die Expertenübersetzung des SOS-Morsezeichens. Es beginnt mit drei kurzen Signalen, dem drei lange und wiederum drei kurze folgen. Dieser internationale Notruf wurde ursprünglich für die Seefahrt geschaffen und gilt heute weltweit für alle Gefahrensituationen. Erfunden hat das Signal die deutsche kaiserliche Marine Anfang des 20. Jahrhunderts. Vermutlich gerieten deren Schiffe des Öfteren in Seenot. Jedenfalls hatte sich „dreimal kurz, dreimal lang, dreimal kurz“ ab 1906 international durchgesetzt – und zwar dank der großen Funktelegrafiekonferenz im Berliner Reichstagsgebäude. Diese Zusammenkunft war ein Meilenstein im damals aufblühenden weltumspannenden Funkverkehr. Es war immer dringlicher geworden, sich international auf Regeln zu verständigen.

An dem Ereignis nahmen Delegationen aus 27 Staaten teil, unter anderem aus Brasilien, Japan, Persien oder Uruguay. Noch heute wird in Berlin daran erinnert, wenn auch auf durchaus ungewöhnliche Weise: in Gestalt eines Kanaldeckels. Dieses eher unscheinbare Bodendenkmal befindet sich in unmittelbarer Nähe des Reichstagsgebäudes auf einem längs der Spree führenden Fußweg.

Ein epochaler Beschluss

Ein Kanaldeckel also. Gestiftet von einem Unternehmen für Entwässerungstechnik. Man muss nicht alles verstehen. Betrachtet man den Deckel näher, erkennt man die grafische Darstellung des SOS-Notzeichens und einen kurzen Hinweis auf den epochalen Beschluss der internationalen Fernmelder vom 3. November 1906.

Man darf vermuten, dass auch Abgeordnete des benachbarten Bundestages schon über den Kanaldeckel geschritten sind, ohne sich der historischen Dimension dessen bewusst zu sein, was sich unter ihren Füßen befindet. Manche hatten vielleicht auch den Kanal gestrichen voll, was man als mildernde Umstände gelten lassen könnte.

Aber zurück zu den Funkern. Die haben für wiederkehrende Begriffe Zahlencodes und damit entsprechend kurze Morsezeichen bestimmt. So heißt „Auf Wiedersehen“ schlichtweg: 73. Zweimal lang, dreimal kurz, und das Ganze umgekehrt nochmal. In diese Sinne grüßt der Autor dieser Zeilen: Daa-Daa-Dit-Dit-Dit, Dit-Dit-Dit-Daa-Daa.

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