Ukraine-Krieg
Sohn von Kremlsprecher: Wirklich an der Front im Einsatz?
Kremlsprecher Dmitri Peskow habe ihn gebeten, seinen Sohn als einfachen Artilleristen zu nehmen, versicherte Jewgenij Prigoschin, Chef der Söldnertruppe Wagner, unlängst in einem Interview. Und Peskow Junior habe als einfacher Artillerist gedient, „bis zu den Knien im Dreck“.
Nikolaj Peskow, alias Nikolay Choles, ältester Sohn des Putin-Sprechers, stürzte sich schon vorher gerne in Dreck – am Steuer seines Geländewagens. Das zeigen Fotos und Videos des 33-Jährigen, der in seiner Jugend zehn Jahre in England lebte, einen britischen Stiefvater hat und nach Medienangaben bis 2019 dessen Nachnamen trug.
Luxusleben zelebriert
Andere Aufnahmen zeigen Nikolaj Peskow Arm in Arm mit seinem Vater in teurer Freizeitkleidung am Strand, als Springreiter, am Steuer von Sportflugzeugen und auf den Kühlerhauben von Mercedes-Sportwagen thronend. Die Aufnahmen, die zum großen Teil über Peskows-Choles Instagram-Kanal an die Öffentlichkeit gerieten, demonstrieren den typischen Lebensstil der „goldenen Jugend“, wie die Russen die Kinder der Reichen und Mächtigen nennen.
Umso mehr Erstaunen rief Prigoschins Erklärung hervor, wonach der jüngere Peskow in der Ukraine unter falschem Namen ein halbes Jahr an der Front einen Uragan-Raketenwerfer bedient habe. So mutig, dass man ihn dafür mit einer Tapferkeitsmedaille auszeichnete.
Auf Aktivisten reingefallen
Dabei verdächtigen Exil-Medien den jungen Peskow, er sei ein Drückeberger. Im September, als Russland teilmobil machte, war er in einem Telefonat auf Aktivisten reingefallen, die ihm eine angebliche Einladung zu einem Gespräch auf dem Kriegskommissariat überbrachten und die er ablehnte. „Ich bin Herr Peskow, Sie müssen verstehen, dass es nicht richtig wäre, wenn ich mich dort befände“, sagte er. Er werde die Frage auf anderer Ebene lösen.
Ein Interview mit der kremlnahen „Komsomolskaja Prawda“ über seinen Frontdienst räumte die Zweifel auch nicht aus. Er schwieg sich darüber aus, wo genau er gekämpft hatte und wofür er konkret ausgezeichnet worden war. Er erzählte, er reite, fische und jage in seiner Freizeit gerne, „einen Teil in mir“ aber ziehe es zu den Jungs an die Front zurück.
Nach Angaben des Telegramkanals WTschK-OGPU wurde übrigens ein Tesla-Sportwagen, der Nikolaj Peskow gehörte, in Moskau zweimal geblitzt – in der Zeit, als der Fahrzeuginhaber angeblich an der Front war.