Politik Sehnsuchtsort Schengen-Raum

Die letzte Banane wird in vier Stücke zerlegt. Familie Schalthofer steckt schon drei Stunden im Stau vor der Grenze zwischen Slowenien und Kroatien. So hatten sich die Münchner den Beginn ihres Kurzurlaubs an der Adria nicht vorgestellt. So wie den Schalthofers geht es vielen Urlaubern. Seit 2013 ist Kroatien zwar EU-Mitglied. Das Land gehört aber, anders als Slowenien, noch nicht zum Schengen-Raum, der das Reisen von einem Ende Europas zum anderen so einfach macht wie eine Fahrt ins Nachbardorf. Flugreisende sind, so sie umsteigen müssen, übrigens kaum besser dran als die Blechschachtel-Kapitäne. Zumindest beim Rückflug von Kroatien nach Schengenland sind wegen der langwierigen Kontrollen (Anschlussflüge!) Kondition und Nervenkostüm von Leistungssportlern gefragt. Wirtschaftlich am meisten betroffen von den Grenzproblemen ist freilich Kroatiens Tourismusbranche, der mit Abstand wichtigste Wirtschaftszweig des Landes. Der Beitritt zum Schengen-Raum gehört daher zu den wichtigsten außenpolitischen Zielen der Adria-Republik. Die Vorbereitungen zum Beitritt an der mehr als 2300 km langen Grenze zu den Nachbarländern Serbien, Montenegro und Bosnien/Herzegowina laufen auf Hochtouren. Was erst einmal bedeutet: Kroatien rüstet seine Grenze gegenüber den anderen Nicht-Schengenstaaten mit Hightech-Sicherheitsprodukten aus. Ein Gerät, zum Beispiel, analysiert die Zusammensetzung der Luft in Lastwagen. Ein hoher Anteil von Kohlendioxid (das ja auch Menschen beim Atmen ausstoßen) deutet auf blinde Passagiere im Frachtraum hin. Für den Schengen-Beitritt hat Kroatien von Brüssel bereits Hilfen im Höhe von 120 Millionen Euro abgegriffen. Ein Termin vor 2018 sei dennoch nicht real, fürchtet man in Zagreb. Der Beitritt kann nur durch einstimmigen Beschluss des Europäischen Rates (dem Gremium der EU-Staats- und Regierungschefs) erfolgen. Doch dort wartet man erst einmal den Ausgang der Wahlen in Frankreich und Deutschland ab. Sperrfeuer droht zudem aus Slowenien. Der Grund: ein auch von Kroatien beanspruchter Quadratkilometer Wasser in der Bucht von Piran, mit dem sich die Slowenen Zugang zu internationalen Gewässern verschaffen wollen. Der Streit beschäftigt ein Schiedsgericht seit 2009 – er verzögerte bereits den EU-Beitritt Kroatiens.