Bundeswehr RHEINPFALZ Plus Artikel Seelsorger für muslimische Soldaten gefordert

Die Bundeswehr schätzt, dass es in ihren Reihen rund 3000 muslimische Soldatinnen und Soldaten gibt.
Die Bundeswehr schätzt, dass es in ihren Reihen rund 3000 muslimische Soldatinnen und Soldaten gibt.

Nach langer Debatte soll es militärische Seelsorge für die Muslime in der Bundeswehr geben. Doch über die Ausgestaltung gibt es unterschiedliche Vorstellungen.

Soldat zu sein, ist kein Beruf wie jeder andere. Oft ist man lange von der Familie getrennt, es gibt Auslandseinsätze und in letzter Konsequenz gehören auch Verletzung, das Töten und der Tod dazu. Auch deswegen gibt es in der Bundeswehr seelsorgerische Betreuung, die die Männer und Frauen unterstützen soll. Laut Soldatengesetz haben sie sogar einen Anspruch darauf.

Doch die Gesellschaft verändert sich und mit ihr die Streitkräfte. Nur noch rund die Hälfte der Bundeswehrsoldaten fühlen sich einer christlichen Kirche zugehörig. Seit 2020 kümmern sich auch Militärrabbiner um die rund 300 Jüdinnen und Juden in der Bundeswehr. Vor allem aber wächst die Anzahl der Muslime in der Truppe. Genaue Zahlen gibt es nicht, weil kein Soldat seine Religion melden muss. Schätzungen der Bundeswehr gehen aber von mindestens 3000 Soldaten aus.

Viele Absichten, keine Umsetzung

Schon viele Verteidigungsminister erklärten, eine muslimische Militärseelsorge einführen zu wollen. Umgesetzt wurde nichts. „Äußerst unbefriedigend“, nannte die Wehrbeauftragte des Bundestags, Eva Högl (SPD), die Situation für die muslimischen Soldaten in ihrem aktuellen Jahresbericht.

Allerdings könnte sich nun etwas ändern. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte im Mai 2023 entschieden, in die Erweiterung des seelsorgerischen Betreuungsangebotes für Soldatinnen und Soldaten islamischen Glaubens einzusteigen. Es soll noch in dieser Legislaturperiode umgesetzt werden.

Allerdings ist die Form umstritten. Derzeit strebt das Ministerium Einzelverträge auf Honorarbasis mit individuellen islamischen Seelsorgern an. Ein Modell, das in manchen Bundesländern auch für die muslimische Seelsorge in Gefängnissen genutzt wird. Es ist jedoch ein gänzlich anderes Vorgehen als bei den christlichen Kirchen und der jüdischen Gemeinde. Mit diesen gibt es jeweils Staatsverträge. Doch es gibt keinen Islamverband, der alle oder zumindest einen Großteil der Muslime repräsentiert.

Denkbar sei, dass sich die Seelsorger aus Absolventen des Islamkollegs in Osnabrück rekrutieren, teilte das Verteidigungsministerium auf Anfrage mit. Das Institut bildet in deutscher Sprache aus, wird teilweise vom Bundesinnenministerium finanziert.

Aiman Mazyek, langjähriger Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, ist mit dem Modell jedoch nicht einverstanden. „Die aktuell vorgesehene Lösung mit Einzelverträgen ist nicht ausreichend. Wir fordern einen Militär-Imam für die Bundeswehr, dazu gibt es keine Alternative“, sagte er der RHEINPFALZ.

Mazyek betonte: „Muslimische Bundeswehrsoldaten haben einen Anspruch auf eine vollwertige seelsorgerische Betreuung.“ Er halte die Argumente, warum es bislang keine muslimische Seelsorge bei der Bundeswehr gibt, für vorgeschoben.

Der Bundeswehrverband, die Interessensvertretung der Soldaten, befürwortet die islamische Seelsorge in der Bundeswehr. Vorstandsmitglied Jörg Greiffendorf sagte im Gespräch mit der RHEINPFALZ: „Nachdem die jüdische Militärseelsorge 2020 ins Leben gerufen wurde, ist der Wunsch gewachsen, dass man das gleiche für die Muslime in der Bundeswehr tut.“

Bundeswehrverband sieht Herausforderungen

Allerdings weist er auf die praktischen Herausforderungen hin. „Seelsorger gehören zu dem schützenswerten Personenkreis. Sie haben wie Vertrauenspersonen und Ärzte einen besonderen Status, andere Zugangs- und Nachweispflichten als normale Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums. Daher ist es extrem wichtig, wen man für eine solche Position auswählt.“ Auch das Verteidigungsministerium weist darauf hin, dass neben der Qualifikation auch die „Wahrung der militärischen Sicherheit“ eine Rolle spielt.

Greiffendorf befürwortet, dass mit dem Modell der Einzelverträge nun ein Anfang gemacht werde, betont aber: „Als Fernziel ist es durchaus wünschenswert, dass es einen vollwertigen Militär-Imam bei der Bundeswehr gibt.“

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