Bad Ems / Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Rekord: In Rheinland-Pfalz zwei Millionen Erwerbstätige. Und in zehn Jahren?

Vielerorten brummt das Geschäft.
Vielerorten brummt das Geschäft.

Vor allem dem Dienstleistungssektor ist der jüngste Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen zu verdanken. Arbeitsmarktforscher rechnen für die Zukunft aber mit weniger guten Arbeitsmarktzahlen. Schon jetzt beklagen Firmen einen Fachkräfteengpass.

Mit derartigen Rekordmeldungen dürfte es bald vorbei sein: Im Jahr 2019 hat die Anzahl der Erwerbstätigen in Rheinland-Pfalz zum zehnten Mal in Folge einen Höchststand erreicht. Laut Statistischem Landesamt in Bad Ems hatten vorläufigen Berechnungen zufolge mehr als zwei Millionen Erwerbstätige ihren Arbeitsort in Rheinland-Pfalz.

Die positive Entwicklung im Land, so die Auskunft, beruhe wesentlich auf einem Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse: Sie machten gut zwei Drittel der Erwerbstätigkeit aus. Diese Zunahme, so heißt es aus Bad Ems weiter, sei wie in den Vorjahren vor allem dem Dienstleistungssektor zu verdanken.

Die Anzahl der über 65-Jährigen – und damit der Anteil der Menschen, die dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen – wird jedoch in den beiden kommenden Jahrzehnten rapide ansteigen. Wie im übrigen Deutschland, so gehen auch in Rheinland-Pfalz die Baby-Boomer (die Angehörigen der geburtenstarken Jahrgänge 1955 bis 1964) in Rente. Bis 2040 könnten daher dem Arbeitsmarkt deutschlandweit im Vergleich zu heute zehn Millionen Menschen fehlen.

Nach einer Studie des arbeitgebernahen „Instituts der deutschen Wirtschaft“ (IW) in Köln ist der Fachkräfteengpass insbesondere in Süddeutschland heute schon deutlich spürbar. Im Gegensatz zur Region Berlin werden dort händeringend qualifizierte Arbeitnehmer gesucht. In den drei pfälzischen Arbeitsagenturbezirken ist im Bereich Landau die Nachfrage der Unternehmen nach qualifizierten Kräften hoch. Allerdings sind der Untersuchung zufolge die Engpässe im Norden von Rheinland-Pfalz noch ausgeprägter.

Wie stark die Einwohnerzahl und die Anzahl der Arbeitskräfte unterm Strich abnehmen wird, scheint sich hauptsächlich an der Frage zu entscheiden, wie viele (qualifizierte) Menschen zuwandern und bleiben. Frühere Berechnungen der Statistiker in Bad Ems für Rheinland-Pfalz haben ergeben: Mit einem jährlichen Wanderungsüberschuss von 30.000 Personen könnte die Bevölkerungsstärke im erwerbsfähigen Alter bis 2060 konstant gehalten werden.

Manche Arbeitswissenschaftler betonen mit Blick auf die schwieriger werdenden Verhältnisse, mit Hilfe der Digitalisierung lasse sich aus der Not sogar eine Tugend machen. Dem drohenden Personalmangel im Dienstleistungssektor könne mit „Robotic Process Automation“ (RPA) begegnet werden. Dabei geht es nicht um teure Roboter, wie sie bereits in der Industrie eingesetzt werden. Mit RPA sind auch keine komplexen IT-Systeme gemeint, sondern eine Software, die bestimmte, gleich ablaufende Routinearbeit in Büros übernimmt – und die dabei mit bekannten Programmen arbeitet. Zum Lesen und Prüfen von Lieferantenrechnungen im Einkauf oder zum Verarbeiten von Krankmeldungen.

Olaf Eisele, der am Institut für angewandte Arbeitswissenschaft in Düsseldorf forscht, betont, mit (gut laufender) RPA könne die Produktivität in einer Verwaltung oder eines Unternehmens gesteigert werden – und damit auch dessen internationale Wettbewerbsfähigkeit. RPA sei aktuell das am schnellsten wachsende Software-Segment der Digitalisierung, betont Eisele.

polialt02
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