Synodaler Weg
Reformprozess-Debatte: Bischof sorgt für Verwirrung
Auf der Rednerliste stand er an erster Stelle: der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, ein Kritiker des Reformprozesses. Er kritisierte mit Blick auf München die Praxis der rechtsanwaltlichen Gutachten zur Aufbereitung von sexuellem Missbrauch. Ihm komme zu kurz, „dass 1973 die Strafrechtsreform Kindesmissbrauch nicht mehr als Verbrechen eingeschätzt hat, und zwar auf der Basis von sexualwissenschaftlichen Urteilen, die davon ausgehen, dass für die betroffenen Kinder und Jugendlichen die Vernehmungen wesentlich schlimmer sind, als die im Grunde harmlosen Missbrauchsfälle“.
Einer, der daran Anstoß nahm, war Johannes Norpoth vom Betroffenenbeirat bei der Bischofskonferenz: „Die Aussagen machen mich erneut betroffen.“ Es könne nicht sein, dass in einer Synodalversammlung sexuelle Straftaten gegen Kinder verharmlost würden.
Erstmals Einigung auf Text
Voderholzer reagierte: Es tue ihm leid, dass er sich nicht klar genug ausgedrückt habe. „Die Position, die mir vorgeworfen wird, ist das Gegenteil von dem, was ich ausdrücken will.“ Verharmlosung von Missbrauch sei verheerend. Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), das mit den Bischöfen den Reformprozess ausrichtet, wurde gegenüber Voderholzer deutlich: Sie sei froh über die Erklärung. „Wäre das nicht passiert, wäre das eine Grenzverletzung gewesen.“
Erstmals einigte sich am Donnerstagabend die Vollversammlung verbindlich auf einen Text. Er stellt die theologischen Grundlagen und Kriterien für die weiteren Beschlüsse dar. Eine große Mehrheit der 213 Delegierten war dafür. Da Texte nur angenommen sind, wenn auch zwei Drittel der Bischöfe zustimmen, wurde das Ergebnis extra angezeigt: 41 Bischöfe stimmten für, 16 gegen den Text.