Synodaler Weg
212 deutsche Katholiken und ein Papstbotschafter
Was wird wohl Erzbischof Nikola Eterovic, seines Zeichens Papstbotschafter, dem Heiligen Vater aus Frankfurt berichten? Dort trafen sich 212 Priester, Bischöfe und katholische Frauen und Männer, um sich mehrheitlich für Reformen in der katholischen Kirche stark zu machen. Wohlwissend, dass der Papst bei einigen der Vorstöße das letzte Wort haben wird.
Umso wichtiger ist es, mit den Anliegen in Rom Gehör zu finden. Doch bislang ignorierte die römische Zentrale alle Einladungen und Anfragen. Heißt, es gab bisher kein Gespräch des Vatikans mit Vertretern des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Das höchste Laiengremium hatte mit den deutschen Bischöfen den Reformprozess angestoßen – ausgelöst durch die Vertrauenskrise aufgrund des Missbrauchsskandals. Nicht einmal Briefe wurden beantwortet. Von einer Kultur der Kommunikation kann man hier wahrlich nicht sprechen.
13 Texte als Debattengrundlage
Der Papstbotschafter konnte verfolgen, wie sich die Delegierten mit 13 Texten und knapp 200 Seiten Papier auseinandersetzten. Sie fordern mehrheitlich ein Umdenken in der Sexualmoral – Sex nicht nur zu Vermehrungszwecken und Gottes Segen für Homosexuelle und wiederverheiratet Geschiedene. Sie fordern Mitspracherechte der Gläubigen und setzen dabei – um dem Kirchenrecht genüge zu tun – auf eine Selbstverpflichtung von Priestern und Bischöfen. Diese sollen freiwillig, aber verbindlich auf einen Teil ihrer bisherigen Kompetenzen verzichten. Wie viele Bischöfe das am Ende mittragen, bleibt offen. Zum Schwur kommt es erst im kommenden Jahr, wenn die Texte endgültig verabschiedet werden. Denn es braucht eine Zweidrittelmehrheit der Bischöfe. Doch am Ende entscheidet ohnehin jeder Bischof, ob er diese Reformen in seinem Bistum umsetzt oder nicht.
Der Zeitdruck bei dieser Versammlung war immens – kurze Pausen, oft nur einminütige Redezeit. Das führte wohl bei dem ein oder anderen zum Frust oder zur Erschöpfung. Oder was war der Grund, dass knapp eine Stunde vor Ende der Versammlung die Beschlussfähigkeit nicht mehr gegeben war? Etwa 60 Teilnehmer – einige Bischöfe eingeschlossen – schienen am Samstag nach der Mittagspause die Messehalle verlassen zu haben, die Tagung musste frühzeitig beendet werden. Ein Skandal, der sich auch nicht durch die positive Bilanz des Präsidiums schönreden ließ.