Meinung
Putins Rubel-Doktrin: Der Krieg rückt näher
Mit seiner Ankündigung, Zahlungen für Gaslieferungen bald nur noch in Rubel zu akzeptieren, weitet Kreml-Herrscher Wladimir Putin den Ukraine-Krieg aus. Dieser rückt damit näher ans westliche Europa, auch an Deutschland.
Das Schlachtfeld ist nicht mehr rein militärisch. Putin wehrt sich gegen die Sanktionen des Westens, die dazu geführt haben, dass Russland seine großen Reserven an Euro und Dollar nicht mehr nutzen kann. Zwar würde Putin vertragsbrüchig, wenn Gaslieferungen nicht mehr in harten Währungen gezahlt werden dürften. Doch was interessiert dies schon einen diktatorisch regierenden Präsidenten, der seinen Krieg finanzieren muss – und der sich nicht um Grenzverträge schert.
Es wird an Notfallplänen gefeilt
Unausgesprochen steht nun ein Lieferstopp von russischem Erdgas im Raum, wenn Putins Forderung nicht erfüllt wird. Es ist ein Kräftemessen. Wer kann (länger) verzichten: Deutschland und andere Staaten auf russisches Gas – oder die Russen auf Geld zur Finanzierung ihres (Kriegs-)Haushalts? In Brüssel und in Berlin wird bereits an Notfallplänen gefeilt. Ähnlich wie bei Corona geht es um die Frage: Wer ist systemrelevant – und was könnte bei zu wenig Gas abgeschaltet werden?
Putin rechnet sich aus, dass seine Gegner, die vielstimmigen demokratischen Staaten, eine Energienotlage nicht lange durchhalten können. Aber er hat sich schon einmal verkalkuliert und den ukrainischen Widerstand falsch eingeschätzt.