Ukraine-krieg „Panikstimmung“ am Erdgas-Markt
Am Morgen um 8 Uhr hatte der Preis laut Huneke noch bei 220 Euro gelegen. Der Experte sprach von einem „Allzeithoch“. Zum Vergleich: Am 16. Februar, rund eine Woche vor dem russischen Angriff auf die Ukraine, wurde Erdgas zur Lieferung am Folgetag noch mit rund 69 Euro je Megawattstunde gehandelt.
Huneke sprach von einer „Panikstimmung“ an den Märkten. Dahinter stehe die Sorge vor einer Versorgungsunterbrechung, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Befürchtet würden etwa eine technische Unterbrechung des Pipeline-Transports durch die Ukraine infolge von Kriegshandlungen, eine Liefer-Einstellung durch Russland oder ein Abnahmestopp durch die Importländer. Huneke geht allerdings davon aus, dass der Preis wieder sinkt, wenn es Hinweise von ukrainischen Gasnetzbetreibern oder von der russischen Staatsführung gebe, dass die Gasinfrastruktur vom Krieg ausgenommen werde.
„Panikreaktion basierend auf Ängsten“
Gasmarktexperte Heiko Lohmann vom Energieinformationsdienst Energate bezeichnete den Preissprung als „reine Panikreaktion“. „Es hat nichts zu tun mit realen Gasflüssen, sondern ist rein basierend auf Ängsten, dass die Lieferungen aus Russland komplett zum Erliegen kommen“, sagte Lohmann. Transparenzportale im Internet verzeichneten am Montagvormittag anhaltend hohe Erdgasflüsse Richtung Europa, etwa durch die Pipeline Nord Stream oder am Übergabepunkt Velke Kapusany an der ukrainisch-slowakischen Grenze.
Auch Markus Barella vom Beratungsunternehmen First Energy sprach von einer „Paniksituation“. Die Preise befänden sich definitiv auf einem Allzeithoch. „Das hat es so noch nicht gegeben“, sagte er. Auch die Preise für Gaslieferungen in den nächsten Quartalen seien massiv nach oben gegangen. Der Energiemarktexperte rechnet mit „massiven Auswirkungen“. So könnten schon jetzt manche mittelständische Unternehmen kaum oder gar kein Gas mehr kaufen, weil viele Lieferanten aus Gründen der Risikovermeidung einen Vermarktungs- und Vertriebsstopp verhängt hätten.
Die seit Monaten steigenden Preise bekommen auch viele Verbraucher zu spüren. Wer aktuell einen neuen Vertrag abschließt, zahlt nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden im Schnitt knapp 2600 Euro im Jahr. Im September habe dieser Wert noch bei rund 1300 Euro gelegen. Verivox rechnet zwar nicht damit, dass die extremen Preisspitzen im Großhandel direkt an Verbraucher weitergegeben werden. Allerdings sei bei dem aktuellen Preisniveau im Großhandel für die kommenden Monate mit weiter stark steigenden Gaspreisen für Verbraucher zu rechnen, sagte Verivox-Energieexperte Thorsten Storck.