Politik Porträtiert: Andrea Nahles, die „Trümmerfrau“

Placeholder-Image

Für Andrea Nahles bedeutet die Übernahme des SPD-Vorsitzes das Ende eines langen Weges – und doch erst den Anfang. Es ist auch ein Anfang, weil die SPD nach dem Ende der Episode Martin Schulz, den heftigen Debatten um den Eintritt in die große Koalition und dem drohenden Überrunden durch die AfD um ihre Zukunft fürchten muss. Nahles ist die „Trümmerfrau“. Die Tochter eines Maurers aus der Eifel gründete einst selbst einen SPD-Ortsverein. Als Fahranfängerin hatte sie in Schweden einen schweren Autounfall, daher die Narbe an der Stirn. Ihre Magisterarbeit schrieb die Germanistin über die „Funktion von Katastrophen im Serien-Liebesroman“. Als Juso-Chefin unterstützte sie den Sturz von Oskar Lafontaine durch Rudolf Scharping, später trug sie zum Rücktritt von Franz Müntefering bei. Sie kann Machtpolitik und kämpft gegen ein klischeehaftes Image an: etwa das, eine laute politische Nervensäge oder kratzbürstig zu sein. Nach dem Absturz auf 20,5 Prozent der Stimmen bei der Bundestagswahl wechselte sie als eine der wenigen verbliebenen Personalhoffnungen der SPD vom Posten der Arbeitsministerin auf den Fraktionsvorsitz. Als Jamaika scheiterte und die SPD unter Druck kam, ihre Ablehnung einer weiteren Regierungsbeteiligung zu überdenken, redete Nahles beim Bonner Sonderparteitag Klartext und rettete so eine knappe Mehrheit für Verhandlungen.

x