Porträt RHEINPFALZ Plus Artikel Plant Guttenberg Comeback in Deutschland?

Will auf Wunsch seiner Töchter wieder nach Deutschland zurückkehren: Ex-Minister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU).
Will auf Wunsch seiner Töchter wieder nach Deutschland zurückkehren: Ex-Minister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU).

Guttenberg hier, Guttenberg da: Als Unternehmer, Investor, Lobbyist, Redner und CSU-Einflüsterer ist der frühere Wirtschafts- und Verteidigungsminister derzeit allgegenwärtig. In gleich zwei handfesten Skandalen spielt er ein Rolle. Plant der gestrauchelte Freiherr dennoch ein Comeback in Deutschland?

Die Zuhörer sind angetan. „Sehr akzentuiert“, sei die Rede gewesen, sagt der Sparkassen-Chef. Die CSU-Stadträtin lobt den „Weitblick“, den der Gast offenbart. Der Unternehmer sagt, hier habe jemand „klare Aussagen“ getroffen. In der Gesellschaft Wohlmeinender wird Karl-Theodor zu Guttenberg noch immer als Vordenker und Visionär gepriesen.

In diesem Fall ist es nach einer Rede über die Verhältnisse in den USA unter Präsident Trump. Guttenberg hielt sie beim Wirtschaftsempfang der Stadt Mühlberg in Oberbayern. Dort empfahl er den örtlichen Honoratioren ganz im Guttenberg-Sound eine „europäische Kraftfindung“.

Zugang zu den Zentren der Macht

Das war Anfang Januar, und die örtlichen Zeitungen berichteten ausführlich. In die politischen Feuilletons hat es Guttenberg mit dem ihm nachgesagten Weitblick zwar noch nicht geschafft, doch in der Heimat zählt der gestrauchelte Freiherr noch etwas.

Der einstige Polit-Star, der nach seinem Rücktritt wegen Plagiatsvorwürfen in die USA übersiedelte, hielt sich gerade in Deutschland auf und setzte gleich noch beim „Ludwig-Erhard-Gipfel“ am Tegernsee ein politisches Statement ab – zugunsten einer Kanzlerkandidatur von Friedrich Merz („der einzige unter den Unionspolitikern“). Das war vor der Corona-Krise, von der selbst einer wie Karl-Theodor zu Guttenberg nichts ahnen konnte.

Während sich bei Merz mit Blick auf zwei tatkräftig agierende Ministerpräsidenten die Chancen auf das höchste Regierungsamt verschlechtert haben, scheint Guttenberg gerade Morgenluft zu wittern. Zumindest findet der Franke deutlich leichter als Merz Zugang zu den Zentren der Macht – auch ohne politisches Amt.

Der umtriebige Herr „KT“

Karl-Theodor zu Guttenberg, von Freunden kurz „KT“ genannt, hat nach Rückgabe von Doktortitel und Ministerposten ein Beratungsunternehmen mit dem Fantasienamen Spitzberg an der amerikanischen Ostküste aufgebaut. Wie erfolgreich dieses agiert, ist nicht bekannt, zumindest unterhält es laut Homepage Niederlassungen in New York, Washington, Toronto, Berlin und Zagreb. Wird Guttenberg auf seine Firma angesprochen, wie jüngst vom „Handelsblatt“, erinnert seine Antwort an die aufgesetzte Wichtigtuerei seiner Ministerjahre. „Frage: Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie? Guttenberg: Weniger, als ich bräuchte, und mehr, als die meisten denken.“

Lobbyarbeit hinter den Kulissen

Guttenbergs Spitzberg-Unternehmen zählte zu den Beratern des nach bizarren Betrügereien mittlerweile Pleite gegangenen Dax-Konzerns Wirecard. Dem „Spiegel“ bestätigte Guttenberg, Spitzberg habe „die Bundesregierung über den geplanten Markteintritt Wirecards in China unterrichtet und die Möglichkeiten wohlwollender Begleitung im bilateralen Verhältnis mit China eruiert.“ Ohne Guttenbergs Bläh-Formulierung bleibt unterm Strich: Lobbyarbeit hinter den Kulissen. Diese ist freilich nicht verboten, doch zeigt sie einmal mehr, wie leicht ein in Regierungszeiten gefülltes Adressbuch vergoldet werden kann.

Denn Guttenberg gelang es im September 2019, im Vorfeld der China-Reise, direkt mit der Kanzlerin das Thema Wirecard zu erörtern, wie ein Regierungssprecher bestätigte. Nach der Reise antwortete das Kanzleramt, dass das Thema in China zur Sprache gekommen sei. Auftrag erfüllt.

Amthor sollte Klinken putzen

Auch in einem anderen Fall, der nicht für alle Beteiligten gut ausging, war Guttenberg involviert. Es geht um das US-amerikanische IT-Unternehmen Augustus Intelligence. Diesem gehörte Guttenberg als „President in charge of General Affairs“ an, welche Tätigkeit auch immer sich hinter dieser Bezeichnung verbergen mag. Die Firma hatte den CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor aus der Uckermark für sich gewinnen können – warum auch immer.

Der Jung-Star der Union sollte für Augustus bei der Bundesregierung Klinken putzen. Amthor konnte einen Brief bei Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hinterlegen, dem ein Gespräch des Ministers mit den Augustus-Geschäftsführern folgte.

Domizil und Firma in Deutschland

Guttenberg warb seinerseits mit einer E-Mail bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) für Augustus, blitzte aber ab. Merkel ließ Erkundigungen über die Firma einholen und verzichtete danach darauf, die Mail von Guttenberg zu beantworten.

Für Amthor war das Augustus-Engagement ein Debakel, es kratzte an seinem Ruf. Am Ende gab er die Kandidatur für den CDU-Landesvorsitz in Mecklenburg-Vorpommern auf.

Mittlerweile hat Guttenberg zumindest geschäftlich einen Schritt nach Deutschland getan. Er gründete im oberfränkischen Guttenberg die Investmentfirma Spitzberg Ventures GmbH für seine privaten Beteiligungen. Und nach Aussage des Präsidenten des Deutschen Forstwirtschaftsrates, Georg Schirmbeck, hat Guttenberg im Teutoburger Wald ein größeres Domizil erworben. Er wolle auf Wunsch seiner Töchter wieder nach Deutschland zurückkehren, hieß es.

Ob „KT“ an seine anfänglich glorreichen Zeiten als CSU-Politiker anknüpfen will? Immerhin hinterließ er außer der Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit eine folgenreiche Entscheidung: die Aussetzung der Wehrpflicht. Seit die Wehrbeauftragte Eva Högl an deren Sinn zweifelt, steigen auch die Chancen für den Adeligen aus Franken, seine Weltkenntnis in einer Talkshow vorzuführen.

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