Politik RHEINPFALZ Plus Artikel Peru: Dritter Staatschef in einer Woche

Nächster Hoffnungsträger: Francisco Sagasti.
Nächster Hoffnungsträger: Francisco Sagasti.

Nach den Chaostagen von Lima zeichnet sich ein Ende des Machtvakuums in Peru ab. Parlamentspräsident Sagasti soll als Übergangsstaatschef vereidigt werden.

Man kann bei den Präsidenten in Peru leicht den Überblick verlieren. In den vergangenen Jahren blieben die meisten Staatschefs nicht sehr lange und saßen mitunter kürzer im Präsidentenpalast als dann im Hausarrest oder auch in Haft. Alberto Fujimori ist vielleicht der bekannteste Fall oder auch Alejandro Toledo, der in den USA in Auslieferungshaft sitzt. Ollanta Humala gehört dazu ebenso wie Pedro Pablo Kuczynski. Alan García schoss sich vor anderthalb Jahren eine Kugel in den Kopf, als die Ermittler anrückten. Präsidentenkarrieren in Peru haben in der Regel etwas Tragikomisches. Aber gerade deswegen ist das Land seit Jahren in einer chronischen politischen Krise.

Ein neuer politischer Akteur

Und immer ging oder geht es um Bestechlichkeit, Korruption, unlautere Geschäfte und Vorteilsnahme. Vielleicht hat auch deswegen der Bestechungsskandal um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht nirgends in Lateinamerika solche Schneisen in die politische Elite geschlagen wie in dem Andenstaat. Alleine in den vergangenen vier Jahren wechselten sich vier Präsidenten ab. Nach Martín Vizcarras Sturz vor einer Woche musste nun sein Nachfolger Manuel Merino am Sonntag nach nur fünf Tagen seinen Hut nehmen, denn mit einer wütenden, plötzlich politisierten jungen Bevölkerung gibt es einen neuen Akteur im politischen Panorama, der die Ränke- und Machtspiele der Eliten nicht mehr hinnehmen will. Die Protestierer fordern Klarheit, Sauberkeit und eine neue politische Führungsklasse.

Galoppierende Wirtschaftskrise

Peru zählt 35.000 Tote, bald eine Million Infizierte und eine der höchsten Corona-Sterblichkeiten der Welt sowie in der Folge eine galoppierende Wirtschaftskrise. Aber dennoch blockieren die Parlamentarier und Machthaber jede ernsthafte und effektive Politik. Der Einzige, der das in den Augen der Bevölkerung in der jüngsten Zeit richtig machte, war Martín Vizcarra. Er hatte bei seinem Sturz noch 58 Prozent Zustimmung in der Bevölkerung. Aber er wurde unter dem kaum belegten Vorwurf der Bestechlichkeit aus dem Amt gedrängt, was gerade besonders absurd ist, weil er gegen die Korruption im Kongress und der politischen Klasse kämpfte.

Der Mitte-Rechts-Politiker Francisco Sagasti soll das südamerikanische Land aus dem politischen Chaos führen und als neuer Übergangspräsident vereidigt werden. Damit könnte der 76-jährige Ingenieur zum dritten Staatschef in Peru innerhalb einer guten Woche werden. „Wir vertrauen darauf, dass er das Land durch diese Krise führen kann“, schrieb der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten, Luis Almagro, auf Twitter.

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