Politik RHEINPFALZ Plus Artikel Noch immer kein Merkel-Porträt im Kanzleramt

Seit 2007 hängt Gerhard Schröders Porträt im Kanzleramt. Seine Nachfolgerin lässt sich noch Zeit.
Seit 2007 hängt Gerhard Schröders Porträt im Kanzleramt. Seine Nachfolgerin lässt sich noch Zeit.

Von Angela Merkel fehlt immer noch ein Porträt in der Galerie des Kanzleramts. Wann das kommen soll? Weiß niemand. Über eine merkwürdige Kunstsammlung.

Noch ist es ein Herrenclub. Im ersten Stock des Kanzleramts, unweit der Pressetribüne, hängen die Porträts der ehemaligen Bundeskanzler – von Konrad Adenauer bis Gerhard Schröder. Sieben Bilder für sieben Männer. Eine fehlt: Angela Merkel. Dabei ist Merkel seit mehr als vier Jahren nicht mehr im Amt. Die Galerie endet dennoch bei Schröder, der bereits 2005 ausschied. Was also ist mit dem Merkel-Porträt?

Die Antwort ist unspektakulär: Man weiß es nicht. Im Kanzleramt verweist man darauf, dass die ehemaligen Kanzler selbst entscheiden, von wem und in welchem Stil sie porträtiert werden. Auch der Zeitpunkt liegt bei ihnen. Druck ausüben wolle man nicht.

Allerdings bremst Merkel damit auch die Reihenfolge. Im Kanzleramt gilt es als eher unwahrscheinlich, dass Olaf Scholz sein Porträt präsentieren wird, bevor seine Vorgängerin ihren Platz in der Galerie eingenommen hat.

Merkels Büro erklärt seit Jahren lediglich, man werde zu gegebener Zeit informieren. Möglicherweise spielt ihre lange Amtszeit eine Rolle. Der einzige Kanzler, der ähnlich lange auf sein Porträt warten ließ, war Helmut Kohl. Sein Bild wurde erst fünf Jahre nach dem Ausscheiden aus dem Amt aufgehängt.

Dabei sagt die Wahl des Künstlers oft auch etwas über den Kanzler aus. Helmut Schmidt initiierte die Galerie überhaupt erst, weil ihm das Kanzleramt zu nüchtern erschien. Für sein Porträt entschied er sich für den Leipziger Maler Bernhard Heisig aus der damaligen DDR. Um Modell zu sitzen, reiste Schmidt 1986 unter Geheimhaltung in den Osten.

Nicht jede Wahl stieß auf Begeisterung. Willy Brandt ließ sich von Georg Meistermann porträtieren. Das Ergebnis war so abstrakt, dass Kritiker spotteten. Helmut Kohl ließ das Bild später sogar austauschen. Auch Gerhard Schröders goldfarbene Darstellung durch seinen Freund Jörg Immendorff wurde nicht überall mit Begeisterung aufgenommen.

Wer Merkel einmal malen wird, bleibt ein Geheimnis. In Kunstkreisen kursieren verschiedene Namen, darunter die aus Ost-Berlin stammende Malerin Cornelia Schleime. Auch Neo Rauch, Rosa Loy oder Elizabeth Peyton werden immer wieder genannt. So bleibt die Galerie im Kanzleramt vorerst ein Herrenclub. Sicher ist nur: Mit ihrer Entscheidung wird die Altkanzlerin auch eine Botschaft senden. Denn die Porträts der Kanzlergalerie sind mehr als Erinnerungsstücke.

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