Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Eiszeit zwischen USA und Türkei bahnt sich an

Der türkische Präsident Erdogan: Wutausbrüche sind wahrscheinlich.
Der türkische Präsident Erdogan: Wutausbrüche sind wahrscheinlich.

Wenn sie den Genozid an den Armeniern offiziell anerkennt, riskiert die US-Regierung Turbulenzen mit dem Nato-Partner Türkei. Deren Währung ist in Anbetracht der erwarteten Verkündigung bereits abgesackt.

Joe Biden hat im Wahlkampf den armenischstämmigen Wählern versprochen, die Massaker an den osmanischen Armeniern im Ersten Weltkrieg als Völkermord zu benennen. Nun will er das offenbar tun. Es jährt sich der Beginn der Gräuel, bei denen auch das deutsche Kaiserreich Schuld auf sich lud.

Bidens Schritt wäre eine weitere Eskalation in dem ohnehin belasteten Verhältnis zum Nato-Partner Türkei. Den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan kritisiert er als Autokraten. Die beiden haben sich seit Bidens Amtsantritt noch kein einziges Mal persönlich gesprochen. Wegen des Geschäfts zwischen Ankara und Moskau zum Kauf einer Raketenabwehr drohen sogar Sanktionen der USA.

Kurs der türkischen Währung sackt ab

Für die Türkei kommt der absehbare neue Krach zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Um das Vertrauen internationaler Anleger zu stärken, bemüht sich Erdogan seit einigen Monaten um bessere Beziehungen zum Westen. Die Lira ist extrem schwach. Am Donnerstag sackte der Kurs der türkischen Währung in Erwartung der neuen Spannungen erneut ab.

Aber Bidens riskiert auch einiges mit diesem Schritt. In der Ukrainekrise ist Ankara als Schwarzmeer-Anrainer ein wichtiger Faktor. Für den Kampf gegen Dschihadisten in Syrien ist die Luftwaffenbasis Incirlik für die US-Luftwaffe wichtig. Erdogans rechtsgerichteter Koalitionspartner MHP wird Druck machen, die USA genau da zu bestrafen.

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