Klimaprotest RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Klebe-Aktion: Jesuitenpater regt sich über Promi-Bonus auf

Jörg Alt blockierte im Oktober 2022 die Karlsstraße in München.
Jörg Alt blockierte im Oktober 2022 die Karlsstraße in München.

Warum es der aus Frankental stammende Jörg Alt vorerst aufgegeben hat, durch Klima-Klebe-Aktionen ins Gefängnis zu kommen.

Um auf die Gefahren des Klimawandels aufmerksam zu machen, ist sich Jörg Alt für nichts zu schade. Der 61-jährige Jesuitenpater, der in Frankenthal aufgewachsen ist, hatte im Dezember 2021 beim „Containern“ an drei Nürnberger Supermärkten Gemüse, Fertiggerichte, Brot und Milchprodukte aus Mülltonnen entwendet und diese dann verteilt. In Deutschland wird das als Diebstahl geahndet. Für Alt indes ist das ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung. Da die herbeigerufene Polizei ihn partout nicht anzeigen wollte, tat er es selbst. Doch das Verfahren wurde eingestellt. Was Jörg Alt mächtig wurmt. Er vermutet dahinter politische Gründe sowie eine Bevorzugung, weil er Priester ist.

Der Sozialethiker ist davon überzeugt, dass es gute Ideen gibt, wie man wachsender Armut, Ungleichheit, Klimakatastrophe begegnen kann. Den Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik gibt er die Schuld, dass nichts passiert. Sie gefährdeten fahrlässig die Zukunft der kommenden Generationen. Da seine Botschaften in diesen Kreisen auf taube Ohren stoßen, seine Bücher keinen Widerhall im Alltag finden, klebt sich Alt nun auf Straßen fest.

Tagessatz von einem Euro

Im Oktober 2022 nahm er mit zwei Personen der Gruppe „Scientist Rebellion“ an einer Straßenblockade am Karlsplatz in München teil. Dafür wurden die drei im Mai wegen Nötigung verurteilt. Für den Jesuiten wurde dabei ein Tagessatz von einem Euro festgesetzt, da er als Ordensmann über kein Einkommen verfügt. Wieder eine Bevorzugung.

Alt machte weiter. Anfang September nahm er an Klebe-Aktionen in München teil: Er wolle die Lücken, die durch die Verhaftungen der Klimaaktivisten entstehen, „mit meinen bescheidenen Kräften“ auffüllen. Bei jeder Aktion hat er das Notwendige dabei, um für einen Gefängnisaufenthalt gewappnet zu sein. Doch der Pater blieb verschont.

Alt ist frustriert und erklärt nun, dass ein Weitermachen aktuell wenig sinnvoll sei: „In 8 Tagen war ich jetzt in 5 Polizeimaßnahmen, erhielt 4 Gefährderansprachen mit Haftandrohung, saß dreimal in Polizeigewahrsam, erhielt 2 Ordnungswidrigkeits- und 2 Strafverfahren und 1 Platzverweis. Gleichzeitig wurden 38 meiner Mit-Demonstrierenden weggesperrt.“ Doch er schaffte es nicht in die Justizvollzugsanstalt. Er ahnt, warum: Die Schlagzeile „CSU lässt Pater einsperren“ sei im derzeitigen bayerischen Wahlkampf peinlich. So muss er weiter mit dem Promi-Bonus leben.

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