Krieg in der Ukraine Nach Anti-Kriegs-Protest: Geldstrafe für russische Journalistin

Der Screenshot von der Nachrichtenplattform Twitter zeigt ein Statement von Marina Owssjannikowa vor ihrer Aktion im russischen
Der Screenshot von der Nachrichtenplattform Twitter zeigt ein Statement von Marina Owssjannikowa vor ihrer Aktion im russischen Fernsehen.

Mit einem spektakulären Auftritt im russischen Staatsfernsehen hat eine Frau am Montag den Krieg von Kremlchef Wladimir Putin gegen die Ukraine verurteilt. Der Kreml wirft ihr „Rowdytum“ vor.

„Stoppt den Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen. Russen sind gegen Krieg.“ Mit diesen Sätzen auf einem Plakat hat Marina Owssjannikowa im Moskauer Staatsfernsehen für einen Eklat gesorgt. In den Abendnachrichten „Wremja“ des Ersten Kanals hielt sie das Transparent in die Kamera, lief hin und her, während Nachrichtensprecherin Jekaterina Andrejewa über Sanktionen des Westens sprach. „Nein zum Krieg!“ rief Owssjannikowa, bevor die Sendung unterbrochen und ein anderer Beitrag eingeblendet wurde.

Der Vorgang gilt in dem fast militärisch geregelten Sendebetrieb des Staatsfernsehens mit kremltreuen und sehr gut bezahlten Propagandisten als beispiellos. In den sozialen Medien wurde die 44-Jährige international als mutige Heldin gefeiert. Kremlsprecher Dmitri Peskow bezeichnete den Vorfall hingegen als „Rowdytum“, die Senderleitung müsse sich darum kümmern. Nicht einmal Staatsmedien kamen umhin, darüber zu berichten.

Stundenlang keine Spur

Am Dienstag musste sich Owssjannikowa vor einem Gericht in Moskau verantworten. Zuvor hatte es stundenlang keine Spur von ihr gegeben. Owssjannikowa wurde zu einer Geldstrafe verurteilt und vorerst wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Das Gericht verhängte eine Strafe von 30.000 Rubel (rund 250 Euro), wie eine AFP-Reporterin aus dem Gerichtssaal berichtete. Owssjannikowa wurde zunächst nicht nach dem neuen russischen Mediengesetz angeklagt, das bis zu 15 Jahre Haft für die Verbreitung von „Falschnachrichten“ über das Militär vorsieht. Die Angeklagte bekannte sich nicht schuldig. „Ich erkenne meine Schuld nicht an“, sagte Owssjannikowa im Gerichtssaal,. „Ich bin überzeugt, dass Russland ein Verbrechen begeht“, sagte sie. Russland sei „der Aggressor in der Ukraine“.

Weltweite Welle der Anerkennung

Nach ihrem Protest wurde Owssjannikowa weltweit eine Welle der Anerkennung zuteil. Der Mitschnitt der Szene, in der sie mit einem handgeschriebenen Plakat hinter der Nachrichtensprecherin auftaucht, wurde vielfach unter anderem bei Twitter und bei Telegram geteilt. „Was Mut wirklich bedeutet“, schrieb etwa Pianist Igor Levit dazu. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bedankte sich bei ihr. Er lobte Russen, „die versuchen, die Wahrheit zu sagen“.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) schrieb bei Instagram, sie bewundere den Mut von Owssjannikowa, „sie führt uns allen vor Augen, wie wichtig Medienfreiheit ist“.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will der Journalistin gar konsularischen Schutz bieten. „Wir leiten diplomatische Maßnahmen ein, damit sie unter den Schutz der (französischen) Botschaft gestellt wird“, sagte Macron am Dienstag beim Besuch einer Aufnahmestelle für ukrainische Flüchtlinge im Département Maine-et-Loire. Darüber wolle er auch „sehr direkt“ bei seinem nächsten Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sprechen.

Tochter eines Ukrainers und einer Russin

Im Internet verbreitete sich zudem ein vor dem TV-Auftritt aufgenommenes Video, in dem die Frau sagt, sie schäme sich dafür, jahrelang Kreml-Propaganda verbreitet zu haben. „Was in der Ukraine geschieht, ist ein Verbrechen.“ Verantwortlich für die Aggression sei nur Russlands Präsident Wladimir Putin. Sie rief ihre Landsleute dazu auf, gegen den Krieg zu protestieren. „Es liegt nur an uns, diesen ganzen Wahnsinn zu beenden.“ Die Behörden könnten nicht alle einsperren.

Owssjannikowa, die in dem Video eine Kette mit den Farben der Flaggen Russlands und der Ukraine trägt, erzählt auch, dass sie Tochter eines Ukrainers und einer Russin sei – „und sie waren nie Feinde“. „Diese Kette an meinem Hals ist wie ein Symbol dafür, dass Russland den Bruderkrieg sofort stoppen muss und unsere Brudervölker sich noch versöhnen können.“

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