Kolumne
Mit Nachwuchs in die Politik: Ihr Kinderlein kommet!
Als sich vor 50 Jahren erstmals eine Frau im Hosenanzug in den Bundestag traute, war das ein Skandal. Der seinerzeitige Vizepräsident Richard Jaeger (CSU) hatte zuvor erklärt, er würde keiner Frau erlauben, das Plenum in Hosen zu betreten oder gar am Rednerpult zu stehen.
Die SPD-Politikerin Helene-Charlotte von Bothmer tat es, und das Thema war durch. Heute ist eine Kanzlerin in diversen Blazer-Hosenkombinationen völlig normal.
Wickeltisch im Reichstag
Auch Kinder waren lange Zeit im Bundestag allenfalls in Gestalt der Sternsinger gern gesehen. Es schien unvorstellbar, die Betreuung des Nachwuchses mit einem Politikerleben zu kombinieren – zumindest für Frauen. Es waren Bundestagsabgeordnete wie Franziska Brantner (Grüne), Dorothee Bär (CSU) oder Kristina Schröder (CDU), die als Mütter das Parlament für sich eroberten. Den Politikerinnen ist ein Aufenthaltsraum mit Wickeltisch und Spielecke in der Nähe des Plenarsaales zu verdanken.
Aufsehen erregte allerdings auch ein Mann, der Südpfälzer Grünen-Bundestagsabgeordnete Tobias Lindner. Mit seinem Sprössling auf dem Arm schritt er Anfang vorigen Jahres zur namentlichen Abstimmung, was manchen dann doch zu viel des Guten war. Lindner hatte freilich vorher beim Bundestagspräsidium um eine einmalige Erlaubnis gebeten.
„Ich bin ein Pfalzkind“
Die in Niederkirchen (Kreis Bad Dürkheim) lebende SPD-Bundestagsabgeordnete Isabel Mackensen zählt zu den glücklichen „Bundestagsmamas“, die sich fraktionsübergreifend einander helfen. Mackensen ist Mutter einer drei Monate alten Tochter. Nur für kurze Zeit übergibt sie diese in die Hände ihrer Büromitarbeiter, wenn sie etwa als Schriftführerin tätig ist oder eine Rede hält.
Vor kurzem gab Mackensen („Ich bin ein Pfalzkind“) bei der Verabschiedung des novellierten Weingesetzes selbst Einblick in ihre Kindheit und Jugend. Von der weinbaupolitischen Sprecherin ihrer Fraktion hörten die Abgeordneten neben fachlichen Anmerkungen auch Anekdoten aus Niederkirchen: „Das Weinfest im Dorf war für mich schon als Kind ein Highlight. Die Musik hat die ganze Nacht gespielt (...). Ich habe draußen in der Hängematte übernachtet, um das Weinfestgefühl und die Musik möglichst lange genießen zu können.“ Geklatscht haben im Plenum danach viele, am lautesten die Pfälzer.