Meinung
Metall-Tarifabschluss: Passt in die Zeit
Tarifverhandler in der Metall- und Elektroindustrie sind lange Nächte am Schluss einer Tarifrunde gewohnt. Schon deshalb ist davon auszugehen, dass der Abschluss vom Dienstagmorgen substanzieller und praktikabler ist als jenes kurzlebige Etwas, das Bund und Länder sich vergangene Woche nächtens im Kampf gegen die Pandemie ausgedacht hatten.
Dieser Abschluss passt in die Zeit. Zum einen, weil er ohne einen wirklich harten Arbeitskampf erzielt wurde. Zum anderen, weil er an entscheidenden Stellen über die aktuelle, von der Corona-Krise geprägte Lage hinausreicht. Und das mit gutem Grund: Gerade für die Metall- und Elektroindustrie ist die Pandemie eine, aber bei Weitem nicht die einzige Herausforderung. Der tiefgreifende Wandel in der Branche, den zurzeit vor allem die Automobilindustrie samt Zulieferer zu spüren bekommt, geht weiter.
Neues „Transformationsgeld“
Dem trägt dieser Tarifabschluss Rechnung. Etwa, indem er mit dem „Transformationsgeld“ eine Möglichkeit schafft, die Wochenarbeitszeit befristet zu reduzieren und dabei einen Teil des sonst drohenden Einkommensverlustes auszugleichen. Zugleich können Betriebe, die in Schwierigkeiten stecken, leichter als bisher auf Zeit von Teilen des Flächentarifvertrags abweichen.
Hauptziel muss es derzeit sein, den unvermeidlichen Wandel zu gestalten und dabei so weit wie möglich Arbeitsplätze zu erhalten. Für beides hält dieser Abschluss sinnvolle Instrumente vor.