Tarifpolitik
Metall-Arbeitgeber wollen Gehälter erst kommendes Jahr erhöhen
In einem Punkt wird die dritte Verhandlungsrunde im Bezirk Mitte (Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen) den vorangegangenen Gesprächen gleichen: Corona-bedingt tauschen sich Gewerkschaft und Arbeitgeber erneut „hybrid“ aus, das heißt einige wenige Vertreter jeder Seite sitzen tatsächlich am Verhandlungstisch, die anderen sind zugeschaltet.
Der Gesprächsgegenstand dürfte aber dieses Mal ein anderer sein. Bisher liegt die Forderung der IG Metall auf dem Tisch – die die Arbeitgeberseite rundweg ablehnt. An diesem Donnerstag dürften die Arbeitgeber ihre eigenen Vorstellungen präsentieren. „Wir werden den bundesweit abgestimmten Lösungsvorschlag auch in Mitte vorstellen“, kündigt der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Pfalzmetall-Präsident Johannes Heger, gegenüber der RHEINPFALZ an. In diesem „Lösungsvorschlag“, der zunächst in Nordrhein-Westfalen vorgelegt wurde, plädieren die Arbeitgeber beim Gehalt für einen „Mix“ aus einer Einmalzahlung und einer prozentualen Lohnsteigerung – die aber erst ab 2022 gelten soll. Zudem soll es „optionale tarifliche Regelungen“ zu den Themen Beschäftigungssicherung und Strukturwandel geben.
Arbeitgeber gegen mehr Mitbestimmung
Solche tariflichen Optionen wären etwas deutlich anderes als jene Zukunftstarifverträge, die die IG Metall mit Blick auf den Transformationsprozess in der Branche fordert. Solche Tarifverträge schränkten die unternehmerische Handlungsfreiheit ein, bedeuteten mehr Mitbestimmung, das wolle man auf keinen Fall, betont Johannes Heger.
Auch den Teillohnausgleich, den die Gewerkschaft fordert für den Fall, dass Beschäftigte zur Sicherung von Arbeitsplätzen ihre Wochenarbeitszeit reduzieren, lehnt die Arbeitgeberseite ab. Statt Arbeit auf diese Weise zu verteuern, gehe es darum, bestehende Instrumente zur Beschäftigungssicherung „passgenauer“ zu machen, sagt Heger. Zudem müsse es Betrieben, die in Schwierigkeiten stecken, künftig deutlich leichter als bisher möglich sein, befristet von Bestandteilen des Flächentarifvertrags abzuweichen. Derzeit seien die Hürden dafür „unglaublich hoch“.
Gewerkschaft: Angebot völlig unzureichend
Im Übrigen sei die im Herbst aufgestellte Forderung der IG Metall, die unter anderem vier Prozent höhere Gehälter oder eben den Teillohnausgleich verlangt, angesichts der „neuen Realität“ – eine starke zweite Infektionswelle, das Risiko durch Virus-Mutanten, brüchige Lieferketten – „noch utopischer“ als zuvor, sagt Johannes Heger.
Die vom Pfalzmetall-Präsidenten gehegte Erwartung, dass die Gewerkschaft auf den Arbeitgeber-Vorschlag eingeht, dürfte sich eher nicht erfüllen. Sollte bei den Verhandlungen in Mainz das gleiche Papier präsentiert werden wie in Nordrhein-Westfalen, sei das „völlig unzureichend“ und „nicht verhandlungsfähig“, sagt Uwe Stoffregen, Sprecher des IG-Metall-Bezirks Mitte. So gebe es keine Begründung, fürs laufende Jahr komplett auf eine prozentuale Steigerung der Gehälter zu verzichten. Auch die Formulierungen zur Beschäftigungssicherung seien sehr vage.
Die IG Metall wolle möglichst innerhalb der bis Ende Februar geltenden Friedenspflicht zu einem Abschluss kommen, sagt Stoffregen. Zugleich bereite man sich aber darauf vor, dass es bis dahin keine Einigung gibt – und zu dieser Vorbereitung gehören, neben einem bundesweiten „Online-Aktionstag“ am 1. März, auch mögliche Warnstreiks.