Politik Merkels USA-Reise: Frau Sachlich trifft Herrn Kapriziös

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Drei Mal haben sie schon telefoniert, heute stehen sie sich gegenüber. Am Nachmittag wird Angela Merkel den festen Händedruck Donald Trumps spüren, wenn er sie am Eingang des Weißen Hauses begrüßen wird. Zwei seiner Vorgänger hat Merkel dort schon getroffen: George W. Bush und Barack Obama. Stets fand man einen Draht zueinander, mitunter erst nach einiger Zeit. Mit Obama war es am Ende sogar demonstrativ herzlich. Wie wird es mit Trump laufen? Schon immer hatten die deutschen Kanzler im Oval Office eine lange Liste von Problemen abzuarbeiten, vom Balkan über Nahost bis Russland. Dieses Mal aber muss die Liste um eine hausgemachte Angelegenheit erweitert werden: Es geht um die Beziehung der beiden Nationen zueinander. Die Deutschen schütteln den Kopf über den mysteriösen Mann im Weißen Haus, der Mauern bauen will und die Presse als „Feind des Volkes“ beschimpft. Sie wundern sich, wie abfällig und aggressiv sich Trump über die Kanzlerin äußerte – „diese Frau“, deren Flüchtlingspolitik „ein katastrophaler Fehler“, wahlweise „geisteskrank“ gewesen sei. Merkel ertrug das äußerlich in stoischer Gelassenheit. Aber sie ließ es sich nicht nehmen, die Gratulation zur Amtseinführung mit der Mahnung an Trump zu verbinden, die demokratischen Grundwerte zu beachten. Trumps Einreisesperren für Bürger aus mehreren muslimischen Ländern lehnt Merkel grundsätzlich ab. Der Kampf gegen Terrorismus rechtfertige es nicht, „Menschen einer bestimmten Herkunft oder eines bestimmten Glaubens unter Generalverdacht zu stellen“. Es wäre untypisch für die Kanzlerin, würde sie bei ihrem gerade einmal vier Stunden währenden Besuch in Washington auf eine Aussprache über diese verbalen Scharmützel pochen. Zumal es aus dem Umfeld Trumps mittlerweile deutlich versöhnlichere Töne über Merkel gibt. Die mit der Vorbereitung der Reise befassten Berater der Kanzlerin sind überzeugt, dass Merkel lieber „den Blick nach vorn“ richten wolle, auch um den Präsidenten aus erster Hand über die Gesetzmäßigkeiten der europäischen Politik zu informieren. Auch wenn niemand im Kanzleramt das Wort „Nachhilfe“ in den Mund nehmen will, so steht Trump wohl eher ein intensives Briefing über die außen-, sicherheits- und wirtschaftspolitischen Zielsetzungen der EU bevor. Dabei verfolgt das Kanzleramt eine pragmatische Linie: Es seien zwar noch nicht alle wichtigen Stellen der Trump-Administration besetzt, aber „das rüttelt sich jetzt so langsam zusammen“, heißt es optimistisch. In den Vorgesprächen, die etwa Kanzlerberater Christoph Heusgen mit dem Schwiegersohn und Berater des Präsidenten, Jared Kushner, führte, habe man wohl einen Draht zueinander gefunden. Will heißen: Der Rest ergibt sich schon noch. Allerdings ist der Rest keine Kleinigkeit. So geht es beispielsweise um den für die EU entscheidenden Konflikt in der Ukraine. Es geht um das Verhältnis der USA zu Russland und um die Frage, was die Amerikaner zur Befriedung von Syrien und Libyen beitragen wollen. Besprochen werden soll die Lage im nördlichen Afrika, in Nahost und die in Nordkorea. Sicherlich dürfte Trump interessiert sein, wie Merkel Russlands Präsidenten Putin einschätzt – hat sie mit diesem doch die längsten Erfahrungen vorzuweisen. Anzunehmen ist, dass die Kanzlerin in diesem Zusammenhang die strategisch wichtige Bedeutung der Nato hervorheben wird. Kompliziert wird es bei der Handelspolitik. Trump, der im Welthandel die Ära der Handelsschranken einläuten will („America first“), drohte bereits deutschen Autobauern mit saftigen Strafzöllen. Merkel ist solcher Protektionismus zuwider. Sie will die große Gefahr der Abschottung zu einem zentralen Thema der deutschen G-20-Präsidentschaft in diesem Jahr machen. Und sie hat eindrucksvolle Zahlen im Gepäck: So haben deutsche Unternehmen in den USA bislang 810.000 Arbeitsplätze geschaffen und seit dem Zweiten Weltkrieg dort 271 Milliarden Euro direkt investiert. Zudem steht das größte BMW-Werk der Welt in South Carolina. Konzernchef Harald Krüger sowie die Bosse von Siemens, Joe Kaeser, und dem Autozulieferer Schaeffler, Klaus Rosenfeld, wollen nach dem Vier-Augen-Gespräch der Kanzlerin mit Trump für gute Stimmung in der Runde sorgen. Sie informieren den Präsidenten und ausgewählte US-Unternehmer über das deutsche duale System der Berufsausbildung. Ob das den Beginn einer wunderbaren Freundschaft markiert – wer weiß.

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