Meinung
Merkel und Putin: Es ist kompliziert
Viele Staats- und Regierungschefs hat Angela Merkel in ihrer gut 16-jährigen Amtszeit kommen und gehen sehen. Der russische Präsident Wladimir Putin war von Anfang an da. Eine innige Beziehung wie bei Helmut Kohl und Boris Jelzin oder eben Putin und Gerhard Schröder gab es zwischen der Physikerin und dem Ex-KGB-Agenten nie. Aber sie haben immer miteinander geredet. 20 Mal war Merkel in Moskau, unzählige Telefonate gab es. Dass sie Russisch spricht und er Deutsch, dass beide eine DDR-Vergangenheit haben, hat sicher geholfen, dass auch die schlimmsten Krisen, sogar der Krieg in der Ukraine, nie zu einem Zerwürfnis führten.
Moskaus Einfluss in Asien enorm
Und doch – Putins prächtige Blumensträuße für Merkel hin oder her – die Beziehungen zwischen Berlin und Moskau sind so vergiftet wie lange nicht. Dass dies vornehmlich an Moskau liegt und nicht an Berlin, wollen die „Putin-Versteher“ – egal ob bei der Linken, in der SPD oder auch der AfD – nicht wahrhaben. Russlands Anschläge auf Oppositionelle im In- und Ausland zeigen aber, mit welchem Regime wir es zu tun haben. Die russischen Hackerangriffe auf den Bundestag sind ebenfalls sehr, sehr ernst.
Dass Merkels Ansatz pragmatischen Dialogs dennoch richtig ist, hat längst nicht nur mit den Gasverträgen zu tun, die unsere Staaten verbinden. Russland hat eben auch in den Krisengebieten unserer Zeit beträchtlichen Einfluss: ob in Afghanistan, Syrien oder Libyen.