Politik RHEINPFALZ Plus Artikel Meloni fällt jetzt als Trump-Flüsterin aus

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni galt lange als Donals Trumps Liebling unter den europäischen Regierungschefs.
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni galt lange als Donals Trumps Liebling unter den europäischen Regierungschefs.

Giorgia Meloni betonte immer ihren guten Draht zu Donald Trump. Das ist nun Geschichte, doch die EU reagiert erstaunlich gelassen auf diese Wendung.

Bernd Lage kennt die Launen von Donald Trump aus eigener, leidvoller Erfahrung. Über Monate hat der Vorsitzende des Handelsausschusses im Europaparlament den Zoll-Deal zwischen der EU und den USA mitverhandelt. Er weiß, dass der US-Präsident seine Sympathien bisweilen sehr schnell neu verteilt. Aus diesem Grund ist der SPD-Europaabgeordnete über den Bruch zwischen Trump und Giorgia Meloni nicht erstaunt und hält die Folgen für überschaubar. Trump habe Italiens Regierungschefin benutzt, um „die EU zu spalten“, sagt Bernd Lange. „Und Frau Meloni hat sich in der Rolle gefallen, einen scheinbar besonderen und exklusiven Draht zu dem US-Präsidenten zu haben.“ Das sei allerdings keine innige Beziehung gewesen, sondern wohl eher politisches Kalkül.

Europa müsse aufhören, „ständig mit Schnappatmung nach Washington zu schauen, sondern muss die eigenen Stärken auszubauen“, sagt Tobias Cremer, Außenpolitik-Experte der SPD. Er fordert etwa mehr Investitionen in die Verteidigungsfähigkeit. Das hält er aus zwei Gründen für den besten Weg. Zum einen werde die EU unabhängiger von den USA, zugleich sei das auch „die klügste Strategie, um die Amerikaner an Bord zu halten“.

Die Einschätzung von eher geringen Auswirkungen des Bruchs zwischen Trump und Meloni auf die EU-Politik geht über die Parteigrenzen hinweg. Niclas Herbst, Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe im EU-Parlament, ist überzeugt: „Auf die EU und das tatsächliche transatlantische Verhältnis wird das jüngste Zerwürfnis keine spürbaren Auswirkungen haben.“ Trump sei vor allem daran interessiert „Deals“ zu machen, dabei nehme er offensichtlich auch auf persönliche Beziehungen keine Rücksicht.

Wie sein SPD-Kollege Lange ist auch Herbst überzeugt, dass Meloni den engen Kontakt zu Trump eher „funktional“ gesehen habe. Auf dieser Basis hätten sich die Vorzeichen schlicht geändert. „Jetzt, mit sinkenden Umfragewerten, Streit mit dem Papst und Eigendarstellung als KI-Jesus, ist es für die Regierungschefin des katholischen Italien einfach nicht mehr sinnvoll, als Trump-Vertraute zu gelten“, sagt der CDU-Mann.

Der Grünen-Europaabgeordnete Sergey Lagodinsky bewertet den Bruch zwischen Trump und Meloni skeptischer. Im Fall des Krieges in der Ukraine hätten Leute wie die italienische Regierungschefin durchaus noch eine gewisse Rolle als Vermittler gespielt – trotz des zerrütteten transatlantischen Bündnisses. Dieser Kanal sei nun weg. Das müsse man nicht bedauern, aber zumindest zur Kenntnis nehmen, dass der EU nun eine Art „Trump-Flüsterer“ fehle, sagt Lagodinsky. Wie seine Kollegen ist er allerdings überzeugt, dass einzelne Charmeoffensiven keine gemeinsame Politik Europas gegenüber den USA ersetzen. „Die Beziehungen müssen nun auf eine stabile Basis gestellt werden“, fordert der Grünen-Politiker nennt als Beispiel die Stärkung der europäischen Verteidigungspolitik.

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