Politik RHEINPFALZ Plus Artikel Melania Trump: Die Frau hinter der Fassade

Im goldenen Käfig des Weißen Hauses: Melania Trump.
Im goldenen Käfig des Weißen Hauses: Melania Trump. Foto: rtr

Warum eine Journalistin die First Lady der USA in einem dieser Tage erschienenen Buch als moderne Feministin charakterisiert.

„Free Melania!“ stand eine Zeit lang auf Transparenten von Demonstranten, die damit aussagen wollten, dass Melania Trump Besseres verdient habe, als im goldenen Käfig des Weißen Hauses zu sitzen, ausgeliefert den Launen eines vermutlich flegelhaften, jedenfalls auf flegelhafteste Weise twitternden Ehemanns. Kate Bennett, eine Journalistin des Fernsehsenders CNN, hat die Parole aufgegriffen und umgedreht. „Free, Melania“ lautet der Titel einer Biografie, mit der sie versucht, der Lösung des Rätsels zumindest nahezukommen. Des Rätsels, wofür diese First Lady eigentlich steht. Was für eine Frau sich hinter der Fassade des schmalen, manchmal wie festgefroren wirkenden Lächelns verbirgt.

Melania Trump, so Bennetts These, muss nicht aus dem goldenen Käfig befreit werden, denn sie ist bereits frei. Indem sie bisweilen das genaue Gegenteil dessen tue, was ihr Mann von ihr erwarte, sei sie eine moderne Feministin. Die These klingt schon deshalb gewagt, weil es nicht an Zeitgenossen mangelt, die in der First Lady eher so etwas wie das Feigenblatt Donald Trumps sehen.

Folgt man Bennett, dann ist man gut beraten, wenn man genauestens auf die Kleiderwahl der First Lady achtet. Das sei nun mal ihre Art, Zeichen zu setzen, Zeichen stillen Protests eingeschlossen. Damit deute eine Frau, deren Mienenspiel vor laufenden Kameras nichts an Emotionen verrate, das keinerlei Risse in der Festungsmauer erkennen lasse, zumindest an, was sich hinter den Kulissen abspiele. „Meine Theorie ist“, verallgemeinert Bennett etwa einen Auftritt im vom Trump wenig geschätzten weißen Hosenanzug, „dass Melania, wann immer die Trumps miteinander hadern, Männersachen trägt“.

Die CNN-Reporterin ist die Einzige im Pressekorps des Weißen Hauses, die keine andere Aufgabe hat, als sich der First Lady zu widmen. Was freilich nicht heißt, dass ihr die First Lady tiefe Einblicke in ihr Seelenleben gewährt hätte. Melania, schreibt die Buchautorin, neige so gründlich zur Geheimniskrämerei, dass wilde Spekulationen die zwangsläufige Folge seien. „Hasst sie das Leben im Weißen Haus? Hat sie Gefühle?“ In Washington kursiert zum Beispiel das Gerücht, dass sie gar nicht im Weißen Haus wohnt, sondern mit ihrem Sohn Barron und ihren Eltern in Potomac, einem lauschigen Vorort der Hauptstadt. Bennett belässt es bei dem knappen Hinweis, dass sie keinen Beleg dafür finden konnte.

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