Ukraine Mariupol: Stadt mit griechischen Wurzeln

Das von Beschuss beschädigte Theater von Mariupol.
Das von Beschuss beschädigte Theater von Mariupol.

Die so heftig umkämpfte ukrainische Stadt Mariupol war lange ein Zentrum griechischer Kultur, und auch Deutsche siedelten einst in der Nähe.

Die Stadt liegt in der Oblast (Verwaltungsbezirk) Donezk und hatte vor dem russischen Einmarsch im Februar rund 430.000 Einwohner, etwa zu gleichen Teilen Ukrainer wie Russen. Mariupol befindet sich am Ufer des Asowschen Meeres und ist Universitätsstadt. Sie hat einen internationalen Seehafen und war vor dem massiven russischen Beschuss ein wichtiges Industrie- und Wirtschaftszentrum der Ukraine. Wichtigste Branche ist beziehungsweise war die Metallverarbeitung.

Die Stadt ist mehr als 200 Jahre alt. Zwischen 1778 und 1780, noch vor der zaristischen Annexion der Krim 1783, organisierte die russische Verwaltung den Abzug von mehr als 30.000 Griechen und Armeniern von der Krim (Sevastopol, Semferopol, Jalta) in die Steppe nördlich des Asowschen Meeres. Ihr Zentrum wurde das 1789 gegründete Mariupol. 1823 bis 1842 erhielten nach längeren Phasen von Missernten in Deutschland auch lutherische und katholische Siedler aus Westpreußen, Baden und Hessen von der zaristischen Regierung Land nördlich von Mariupol („Schwarzmeerdeutsche“).

1941 bis 1943 von Wehrmacht besetzt

Die „Stadt Mariens“, so der griechische Name Mariupols, blieb lange ein Zentrum pontos-griechischer Kultur, bis im 19. Jahrhundert eine systematische Russifizierung erfolgte und zahlreiche russisch-griechische Mischehen geschlossen wurden. Noch bis Ende des 19. Jahrhunderts blieb aber die Mehrheit der Stadtbevölkerung griechischer Herkunft.

Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion war Mariupol zwischen Oktober 1941 und September 1943 von der Wehrmacht besetzt und wurde schwer zerstört. Ein großer Teil der jüdischen Gemeinde, zuvor rund ein Zehntel der Bevölkerung, fiel dem Holocaust zum Opfer.

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