Umwelt
Müssen irische Milchkühe für Klimaschutz sterben?
Die Deutschen streiten sich erbittert über den Austausch von Heizungen – zum Wohle des Klimas. Derweil geht es in Irland beim selben Problem um Leben und Tod. Zumindest bei den Kühen. Laut der Butter-Werbung sind die irischen Kühe ja die glücklichsten der Welt. Doch wenn sie lesen könnten, was in einem internen Papier des Landwirtschaftsministeriums in Dublin steht, dürfte das kaum noch zutreffen.
Um die Klimaziele des EU-Mitgliedstaates zu erreichen, könnten einem Vorschlag zufolge in den kommenden drei Jahren fast 200.000 Kühe getötet werden. Der Hintergrund: Im Magen der Rinder entsteht bei der Verdauung das klimaschädliche Gas Methan, das vor allem „hinten“ freigesetzt wird. In seiner Wirkung ist Methan noch viel schädlicher als das Haupt-Klimagas Kohlendioxid, allerdings hält es sich nicht derart lange wie CO2 in der Erdatmosphäre.
Optionen für Landwirte
Irlands Agrarminister Charlie McConalogue hat bereits anklingen lassen, ein freiwilliges Klimaprogramm zur Verringerung des Milchviehbestands zu erwägen. Konkret geht es darum, 65.000 Milchkühe pro Jahr aus dem Markt zu nehmen. Denn die übrigen bis jetzt geplanten Maßnahmen reichen absehbar nicht aus, um die Klimaziele für Irland einzuhalten – die wie auch die deutschen Ziele ein Teil der europäischen Verpflichtungen sind.
In Dublin sei man fest entschlossen, den Landwirten „freiwillige, finanziell attraktive Optionen zu bieten“, sagt eine Sprecherin des Agrarministeriums. Von 3000 Euro je Kuh und jährlich 200 Millionen Euro bis 2025 als Unterstützung für Landwirte ist in der Zeitung „Irish Independent“ die Rede. Die Ministeriumssprecherin betont, noch handele es sich „nicht um eine endgültige politische Entscheidung“.
Nicht das einzige Land
Irland ist beileibe nicht das einzige Land in der Europäischen Union, das über das Schicksal von Kühen diskutiert. Kürzlich mahnte der französische Rechnungshof eine Strategie an, um den Rinderbestand zu verringern. Demnach ist die stark subventionierte Rinderhaltung im Land für 11,8 Prozent des Treibhausgasausstoßes in Frankreich verantwortlich – vergleichbar mit den Emissionen aus den dortigen Wohngebäuden.
In Irland mit seinen fünf Millionen Menschen leben den Statistiken zufolge mehr als sieben Millionen Rinder, davon sind 1,55 Millionen Milchkühe. Zum Vergleich: 2022 gab es in Deutschland elf Millionen Rinder, darunter 4,3 Millionen Milchkühe. „Der Gedanke, Tiere für die Klimaziele zu keulen, wäre in Deutschland unvorstellbar“, sagt Hans Foldenauer vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter. Auch ein Sprecher des grün-geführten Bundesagrarministeriums betont, es gebe keine derartigen Pläne.
Einfluss überbewertet
Verkompliziert wird die Sache übrigens dadurch, dass im jüngsten großen Bericht des Welt-Klimarates aus dem Jahr 2021 das kurzlebige Methan aus den Rinderpansen neu bewertet wurde. Dessen schädlicher Einfluss aufs Klima sei in der Vergangenheit um den Faktor drei überbewertet worden.