Meinung
„Letzte Generation“: Über das Ziel hinaus
Kein Zweifel, einige Aktivisten der „Letzten Generation“ sind mit ihren Protesten über das Ziel hinausgeschossen. Beispielsweise das Brandenburger Tor zu beschmieren, hat nichts mit Klimaschutz zu tun. Solche Aktionen stoßen auch diejenigen ab, die den Anliegen der Gruppe positiv gegenüber stehen.
Angesichts der drohenden Klimakatastrophe kann man es jungen Menschen allerdings nicht verübeln, dass sie die Geduld verlieren. Die Geduld mit einem Land, das als einziges in Europa kein Tempolimit auf Autobahnen kennt. Die Geduld mit ihren Mitmenschen, denen die persönliche Bequemlichkeit so viel wichtiger ist als die Zukunft kommender Generationen. Also haben sie sich unter anderem auf Straßen festgeklebt. Weil Appelle nichts nutzen. Dafür wurden sie immer wieder verurteilt – wegen Nötigung.
Anfangsverdacht im Frühjahr
Im Frühjahr gab es darüber hinaus eine bundesweite Razzia – wegen des Anfangsverdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Das war rechtens, befand nun die Staatsschutzkammer in München. Die Taten seien eine „erhebliche Gefahr für die öffentliche Sicherheit“.
Ob die „Letzte Generation“ eine kriminelle Vereinigung ist, ist damit noch nicht entschieden. Die Ermittlungen laufen, entscheiden werden wieder die Richter. Es bleibt zu hoffen, dass sie die Klimaschützer nicht als kriminelle Vereinigung einstufen – und damit gleichsetzen mit Mafia und Co. Das wäre nämlich auch übers Ziel hinaus geschossen.