Politik Leitartikel: Noch lange kein Frieden

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Beim ersten Gipfel seit über zehn Jahren haben sich Südkoreas Präsident

und der nordkoreanische Machthaber auf eine atomare Abrüstung geeinigt. Bis zu echtem Frieden ist es aber noch ein langer und schwieriger Weg. Kim wird vor einer Abkehr von Atomwaffen Sicherheitsgarantien für Nordkorea fordern.

Vor nicht einmal einem halben Jahr hatte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un noch damit gedroht, die südkoreanische Hauptstadt Seoul in Schutt und Asche zu legen. Dazu brauche er nicht einmal Atomraketen. Sein auf den Süden ausgerichtetes Waffenarsenal konventioneller Art reiche völlig aus, tönte es aus dem kommunistischen Norden. Davon ist nun nichts mehr zu hören. Im Gegenteil: Beim ersten gesamtkoreanischen Gipfel gestern im Grenzort Panmunjom sind sich der Diktator Kim und Südkoreas demokratisch gewählter Präsident Moon Jae In nicht nur menschlich sehr nahe gekommen. Sie haben eine atomare Abrüstung vereinbart und den Abschluss einer Friedensvereinbarung noch in diesem Jahr. Erstmals seit fast 70 Jahren im Kriegszustand scheint es damit ganz konkret die Aussicht auf einen Frieden in der bislang von Spannungen geplagten und zerrütteten Region zu geben. So erfreulich der Ausgang dieses Gipfels ist – bis zu einem wahren Frieden ist es trotzdem noch ein schwieriger Weg. Denn der Teufel steckt im Detail. Kim hat sich zwar zu einer Denuklearisierung bereit erklärt. Das geschieht aber nicht zum ersten Mal. Sein Vater und Vorgänger Kim Jong Il hatte 2002 ebenfalls einer Abkehr vom nordkoreanischen Atomwaffenprogramm zugestimmt und dafür im Gegenzug Öllieferungen erhalten. 2006 folgte dann trotzdem Nordkoreas erster Atomtest. Nicht zuletzt wegen dieser Erfahrungen wird sich Washington mit Kims Erklärung höchstwahrscheinlich kaum zufrieden geben. Zwar hat US-Präsident Donald Trump den Ausgang des Korea-Gipfels in den höchsten Tönen gelobt. Doch seine um ihn versammelten, eher in der Rationalität verhafteten Berater fordern konkrete Vorleistungen Nordkoreas, bevor die USA reagieren. Zum Abbau des nordkoreanischen Atomarsenals gehört für sie auch die Aufgabe der nordkoreanischen Atomanlage Jongbjon und die Erlaubnis des Regimes in Pjöngjang, unabhängige Kontrolleure ins Land zu lassen. Sonst könne Kim Jong Un ja viel versprechen. Nordkoreas Diktator wiederum wird bis zum Beginn einer tatsächlich atomaren Abrüstung eine absolute Sicherheitsgarantie für sein Land und damit auch indirekt für seine Herrschaft fordern. Diese Sicherheit ist aus seiner Sicht aber nur dann gewährleistet, wenn die USA sich zu einem kompletten Truppenabzug aus der Region bereit erklären. Darauf jedoch dürften sich Trump und die ihn umgebenden Falken allein schon mit Blick auf das immer mächtiger werdende China sicher nicht einlassen. Das Gipfeltreffen von Kim und Trump ist für Ende Mai vorgesehen. Für Südkoreas um echten Frieden bemühten Präsidenten Moon dürfte es bis dahin noch sehr schwierig werden, zwischen beiden Seiten erfolgreich zu vermitteln und eine Basis für vernünftige Gespräche zwischen den beiden ziemlich unberechenbaren Persönlichkeiten zu schaffen. Keine Frage: Nordkorea hat sich gestern so verhandlungsbereit wie noch nie gezeigt. Zu erwarten ist aber auch, dass sich Kim – über die von ihm geforderten Sicherheitsgarantie hinaus – jedes weitere Zugeständnis möglichst teuer mit Wirtschafts- und Entwicklungshilfe seitens des Westens bezahlen lassen wird. An diesem wichtigen Punkt sollten sich auch andere Staaten als die USA – hier ist vor allem die Europäische Union gefordert – sehr viel stärker einbringen. Denn scheitert eine Einigung, wird dies angesichts der wirtschaftlichen Kraftzentren in der Region die ganze Welt teuer zu stehen kommen.

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