Politik Leitartikel: Das Heilige Land 2048

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Hier Feuerwerk und Selbstbewusstsein, dort Ohnmacht und blutige Proteste: Zum 70. Jahrestag der Gründung Israels ist der Graben zwischen Juden und Arabern tief, ihr Konflikt bleibt virulent. Das muss aber so nicht bleiben. Eine Föderation zwischen Israel und Palästina ist heute Utopie,

aber sie wäre eine logische Lösung.

Der israelische Journalist Nir Hasson hat kürzlich einen bemerkenswerten Blick in die Zukunft gewagt: Wie wird Israel 2048 aussehen? Also 100 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung durch Ben Gurion, jenes Ereignis, das der jüdische Staat jetzt mit großem Pomp gefeiert hat. Hasson beschreibt, wie das 2048 ablaufen könnte … Es werde eine palästinensische Premierministerin geben und eine israelische sowie eine Präsidentin einer israelisch-palästinensische Föderation, so Hasson. Gemeinsam werden die Premiers zum Gefallenengedenken am Jerusalemer Herzl-Berg fahren – aber vorher werden die Jüdin und die Palästinenserin gemeinsam auch das Nakba Museum am Rande Jerusalems besuchen, wo an die Vertreibung der Araber 1948 erinnert wird. Utopie? Nach heutigem Stand ja. Aber hat nicht schon Ben Gurion selbst gesagt, wer nicht an Wunder glaube, sei kein Realist? Tatsache ist, dass die heutigen Spitzenpolitiker beider Seiten in 30 Jahren im Ruhestand oder tot sein dürften. Die Frage ist also, wie sieht es mit dem Friedensdurst der jungen Generation aus? Da ist einerseits große Skepsis angebracht. Die Friedenshoffnung, der Aufbruch Mitte der 90er Jahre durch die Oslo-Verträge ist längst in Ernüchterung umgeschlagen. Auf israelischer Seite hat sich weit in die Mitte der Gesellschaft der Glauben festgesetzt, dass der Konflikt allenfalls unter Kontrolle zu halten, aber auf keinen Fall lösbar sei. Man redet durchaus von Friedensbereitschaft, nicht nur bei der tapferen, aber marginalisierten Linken. Aber ein Ja zum Staat Palästina ist bei der Mehrheit der Israelis an die Bedingung geknüpft, dieser künftige Nachbar müsse bitteschön demilitarisiert sein und Grenzen haben, die dem jüdischen Staat einen strategischen Puffer lassen. Noch immer prägt die Holocaust-Erfahrung die Menschen – und zwar mit dem Schluss, nie wieder Opfer sein zu wollen. Auf palästinensischer Seite sind mehrere Generationen unter Besatzung und den korrupten Strukturen der PLO und der Fatah-Partei großgeworden. Hinzu kommt der Bruderkrieg zwischen Fatah und der islamistischen Hamas. Eine Opfer- und Wutmentalität herrscht vor, die immer wieder Gewalt ausbrechen lässt. Nebenbei: Die Brüder der arabischen Welt reden zwar immer vom heiligen Jerusalem, aber der Palästinenser an sich ist ihnen egal. Blickt man auf besagte Nachbarschaft, muss man feststellen, dass das Heilige Land eine Oase ist. Wo es Demokratie gibt, Rechtsstaatlichkeit, eine von Zuwanderung genährte vitale, junge Gesellschaft und auch wirtschaftlichen Erfolg, der weit über das Exportieren von Öl und Gas hinausgeht. 70 Jahre Israel, das ist eine Erfolgsgeschichte. So gesehen ist die Föderation Palästinas und Israels kein Hirngespinst, sondern der einzige logische Weg. Was Nir Hassons wundersame Vision so realistisch macht, sollte man nicht kleinreden. Die großen arabischen Staaten, allen voran Saudi-Arabien, haben selbst so große eigene Probleme, dass zumindest ihre Eliten Israel als strategischen Partner erkennen. Die Säkularisierung schreitet derweil fort. Die allermeisten jungen Leute in Nahost verstehen, dass sie im globalen Vergleich abgehängt sind. Sie wollen ordentliche Jobs und Smartphones, keine Jungfrauen im vermeintlichen Paradies der Selbstmordattentäter. Und die einseitige Unterstützung Israels durch die USA könnte 2020 ein jähes Ende finden, sollte Donald Trump das Weiße Haus verlieren. Und Europa? Es sollte sein Engagement in Nahost deutlich ausbauen. Das ergibt sich schon daraus, dass das Mittelmeer EU-Staaten umspült.

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