Corona-Pandemie RHEINPFALZ Plus Artikel Land spart die Genesenen bei der Impfung nicht aus

Die Termine sind begehrt, aber noch gibt es nicht ausreichend Impfstoffe. Warum also Corona-Genesene impfen, die laut Untersuchu
Die Termine sind begehrt, aber noch gibt es nicht ausreichend Impfstoffe. Warum also Corona-Genesene impfen, die laut Untersuchungen mindestens acht Monate immun gegen das Virus sind?

Auch wer gerade Covid hinter sich hat, bekommt die Corona-Spritze. Daran hält Mainz fest. Impfärzte kritisieren das als Verschwendung.

Obwohl die Impfstoffe knapp sind, hält das Land daran fest, auch Menschen zu immunisieren, die vor Kurzem eine Corona-Infektion überstanden haben. Mehrere Impfärzte aus der Pfalz hatten zuvor gegenüber der RHEINPFALZ am SONNTAG kritisiert, dass das Impfen von Menschen, die nach einer Covid-Erkrankung gegen das Virus immun sind, „Verschwendung von Impfstoffen“ sei.

Das Mainzer Gesundheitsministerium verweist auf Anfrage demgegenüber auf entsprechende Beschlüsse des rheinland-pfälzischen Ethikbeirates und auf die Ständige Impfkommission des Bundes.

Allerdings sagt die Studienlage im Moment etwas anderes. So belegen eine australische und eine amerikanische Untersuchung unabhängig voneinander, dass ehemalige Covid-Patienten mindestens acht Monate nach überstandener Krankheit vor einer Neuinfektion geschützt sind.

Wiederansteckungen verliefen fast immer glimpflich

Vor allem die Untersuchung des La Jolla Institute for Immunology mit 188 Teilnehmern hat einige Aussagekraft. Wie die US-Experten im Fachblatt „Science“ feststellten, finden sich nach einer echten Corona-Infektion T-Helferzellen im Körper, die den Erreger wiedererkennen. T-Helferzellen gelten als das Langzeitgedächtnis der Immunabwehr. Sie könnten nach Ansicht der Forscher auch länger als acht Monate immunisieren.

Demgegenüber stimulieren die derzeit verwendeten mRNA-Impfstoffe die B-Zellen der Immunabwehr, die Antikörperfabriken. Wie lange das den Erreger in Schach hält, ist unklar. Immunologen sind der Meinung, dass es für einen nachhaltigen Schutz Impfstoffe braucht, die für entsprechende T-Zellen sorgen.

Die extrem seltenen Fälle von Wiederansteckung nach einer überstandenen Covid-Erkrankung, über die weltweit berichtet wurde, verliefen fast immer glimpflich. Den Grund für die Reinfektion vermuten Fachleute in der Immunabwehr der Betroffenen selbst: Sie habe beim ersten Mal nicht richtig funktioniert. Eine falsche Immunantwort kann auch eine Impfung nicht beheben, zumal sie eine echte Infektion simuliert.

Rheinland-Pfalz erhält mehr Biontech-Impfstoff

Gegen die wahrscheinlich infektiöseren Viren-Mutanten etwa aus England bieten die aktuellen Impfstoffe nach Einschätzung des zuständigen britischen Expertengremiums Nervtag noch immer ausreichend Schutz. Das Immunsystem ist bei den eigenen Abwehrreaktionen gegen das Virus aber viel breiter aufgestellt als jeder Impfstoff. Eine zusätzliche Impfung nach überstandenem Covid wegen der Virus-Mutanten erscheint vor diesem Hintergrund nicht dringlich.

Unterdessen hat vor dem Impfgipfel am Montag die Bundesregierung für mehr Gemeinsamkeit geworben. Einige Länder hatten kritisiert, der Bund liefere zu wenig Impfstoff. Allerdings hat sich inzwischen herausgestellt, dass Rheinland-Pfalz bis Mitte Februar mehr Biontech-Impfstoff erhält als ursprünglich vorgesehen.

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