Katholische Kirche
Kurienkardinal sorgt mit NS-Vergleich für Eklat
Ungewöhnlich scharf hat die Deutsche Bischofskonferenz einen Nazi-Vergleich des Schweizer Kurienkardinals Kurt Koch zurückgewiesen. Der Vorsitzende, der Limburger Bischof Georg Bätzing, bescheinigte Koch am Donnerstag in Fulda eine „inakzeptable Entgleisung“, verlangte eine sofortige Entschuldigung und stellte ein Ultimatum: „Wenn diese öffentliche Entschuldigung nicht umgehend geschieht, werde ich eine offizielle Beschwerde beim Papst einreichen.“
Koch ist ein einflussreiches Mitglied der römischen Zentralverwaltung der katholischen Weltkirche, der Kurie. In einem Interview der konservativen katholischen „Tagespost“ hatte der ehemalige Bischof von Basel dazu Stellung genommen, inwieweit die katholische Lehre aufgrund von neuen Erkenntnissen weiterentwickelt und angepasst werden kann: „Es irritiert mich, dass neben den Offenbarungsquellen von Schrift und Tradition noch neue Quellen angenommen werden; und es erschreckt mich, dass dies – wieder – in Deutschland geschieht. Denn diese Erscheinung hat es bereits während der nationalsozialistischen Diktatur gegeben, als die sogenannten ,Deutschen Christen’ Gottes neue Offenbarung in Blut und Boden und im Aufstieg Hitlers gesehen haben.“
Kritik an Reformprogramm
Bätzing sagte, Koch versuche schon seit einiger Zeit, den derzeitigen Reformprozess der deutschen Katholiken, den Synodalen Weg, zu delegitimieren. So habe er die Mitglieder der Synodalversammlung mehrheitlich als Funktionäre bezeichnet.
Die Äußerungen von Koch – wiewohl in der Formulierung beispiellos – stehen nicht für sich, sondern fügen sich in eine Serie von Angriffen des Vatikans gegen den Synodalen Weg. Zuletzt hatte der päpstliche Botschafter in Berlin, Nikola Eterovic, die Bischöfe in einem Grußwort zu Beginn ihres Treffens in Fulda vor „Parlamentarismus“ gewarnt. Außerdem erinnerte er sie daran, dass der Vatikan kürzlich erklärt hatte, der Synodale Weg sei „nicht befugt“, die Leitungsstruktur oder die Lehre der Kirche zu verändern. Der Synodale Weg strebt Veränderungen in vier Bereichen an: der Position der Frau in der Kirche, der katholischen Sexualmoral, dem Umgang mit Macht und der priesterlichen Ehelosigkeit (Zölibat).
Fortschritt könne nicht aufgehalten werden
Bätzing sagte, aus Kochs Äußerungen spreche letztlich „pure Angst, dass sich etwas bewegt“. Die deutschen Katholiken stünden mit diesen Anliegen auch keinesfalls allein. Die Eingaben für die von Papst Franziskus einberufene Weltsynode zeigten, dass diese Fragen auch in vielen anderen Ländern akut seien. Viele Jahrzehnte sei das alles nicht angesprochen und verdrängt worden: „Der Druck ist so groß. Dass es dann auch so eine starke Emotionalität gibt, wenn der Pfropf endlich rausfliegt, ist doch eigentlich kein Wunder.“
Bei der vierten Synodalversammlung Anfang September in der Frankfurter Messe war einer der Grundtexte zur Erneuerung der katholischen Sexualmoral gescheitert, weil er nicht die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit der deutschen Bischöfe erhalten hatte.