Italien RHEINPFALZ Plus Artikel Konkurrenz durch Kapseln: Kult-Espressokocher wird chinesisch

Nur echt mit acht Ecken: Moka von Bialetti.
Nur echt mit acht Ecken: Moka von Bialetti.

In Italien gehört Bialetti zu den Traditionsmarken. Durch den Trend zu Kaspelsystemen für Kaffee steckt das Unternehmen jedoch in Schwierigkeiten. Jetzt wechselt der Besitzer.

Es ist der nächste Schlag für Kaffee-Puristen. Gerade erst hat Anna Passi, die älteste Barista südlich der Alpen, den Deutschen quasi Absolution erteilt. Die Hundertjährige, die oberhalb des Lago Maggiore eine Cafébar betreibt, hat auch gegen einen Cappuccino nach zwölf Uhr mittags nichts einzuwenden. „Wer bin ich, dass ich meinen Gästen vorschreiben muss, wann sie welchen Kaffee zu trinken haben?“, sagt Passi. Das ist für Italiener allerdings ein ähnliches Sakrileg, als wäre es in München künftig statthaft, nach dem Mittagsläuten Weißwürste zu essen. Mit anderen Worten: Das geht gar nicht!

Nach den guten Getränkesitten wird jetzt sozusagen auch die Hardware angegriffen. Der seit Jahren kriselnde Espressokocher-Hersteller Bialetti wechselt den Besitzer: Das Unternehmen, das künftig nicht mehr an der Mailänder Börse notiert ist, wurde vom in Luxemburg ansässigen Investmentfonds Nuo Capital geschluckt. Der neue Eigentümer, hinter dem das Konsortium des chinesischen Unternehmers Stephen Cheng aus Hongkong steht, übernimmt vom derzeitigen Mehrheitsaktionär Francesco Ranzoni eine 78,5-prozentige Beteiligung.

In Verzug beim Fiskus

Der Wert von Bialetti wird mit 30 Millionen Euro beziffert, allerdings ist das Unternehmen auch mit etwa 124 Millionen Euro verschuldet; unter anderem beim italienischen Fiskus ist die Firma mit mehreren Millionen Euro an Steuerzahlungen in Verzug.

Die zunächst ausschließlich achteckigen Kult-Espressokocher – auf Italienisch: Caffettiera oder kurz Moka – wurden in den 1930er Jahren von Firmengründer Alfonso Bialetti (1888-1970) entwickelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Kannen aus Aluminium und später auch aus Stahl mit großem Erfolg von dessen Sohn Renato Bialetti (1923–2016) offensiv vermarktet. In vielen italienischen Haushalten – und inzwischen weit darüber hinaus – gehören die silbernen Kocher zur Standardausrüstung. Längst gibt es sie auch in anderen Formen und Farben.

Doch seit einigen Jahren machen Kapselsysteme und die Hersteller von Espressomaschinen Bialetti Konkurrenz. Da half es nichts, dass das Unternehmen mit der Zeit ging und inzwischen auch elektrische Kaffeemaschinen, Tassen, Kaffee und kleinere Haushaltsgeräte herstellt. Dass in den Filialen der Marke künftig auch Woks verkauft werden, ist allerdings nur ein Gerücht.

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