Politik RHEINPFALZ Plus Artikel Kommentar zur Tötung des iranischen Generals Soleimani: Den USA droht Kampf an vielen Fronten

Proteste auch in Indien: Schiitische Muslime in der Provinz Kaschmir halten Plakate mit dem Abbild Soleimanis in die Höhe.
Proteste auch in Indien: Schiitische Muslime in der Provinz Kaschmir halten Plakate mit dem Abbild Soleimanis in die Höhe. Foto: dpa

In vielen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens sind von Teheran gesteuerte Milizen und Parteien aktiv. Die Möglichkeiten für Iran, Rache zu üben, sind vielfältig.

Die Folgen der gezielten Tötung des iranischen Generals Ghassem Soleimani in Bagdad durch die USA lassen sich nur schwer abschätzen. Der amerikanisch-iranische Konflikt erreicht auf jeden Fall eine neue Eskalationsstufe, denn der Luftschlag ist eine direkte Kriegserklärung der USA gegen die iranischen Revolutionsgarden und deren Kuds-Elitetruppen, denen Soleimani als Kommandeur vorstand.

Das Pentagon rechtfertigt den Schlag damit, dass Soleimani aktiv an Plänen gearbeitet habe, amerikanische Diplomaten und Einsatzkräfte im Irak und in der Region zu attackieren. Die Order zum Angriff auf Soleimani kam von US-Präsidenten Donald Trump persönlich, der damit – kurzfristig erfolgreich – seinen Rachedurst gestillt hat. Trump antwortete damit auf die Erstürmung der US-Botschaft in Bagdad durch Demonstranten vor wenigen Tagen. Die Botschaftsbesetzer gehören der Kataib Hisbollah an, einer der schiitischen Milizen im Irak, die vom Iran unterstützt und gelenkt werden. Diese paramilitärische Gruppe wiederum reagierte mit ihrer Aktion darauf, dass die US-Luftwaffe kurz zuvor Stellungen im Irak bombardiert hatte.

Eine Heldenfigur

Doch Ghassem Soleimani war nicht irgendein iranischer General. Er war innerhalb der iranischen Revolutionsgarden eine Heldenfigur, er unterstand direkt dem obersten iranischen Revolutionsführer Ayatollah Khamenei. Diese Stellung in der politischen Hierarchie Teherans alleine beschreibt seine Bedeutung jedoch nicht ausreichend. Soleimani ist der Architekt der iranischen Politik, in der ganzen nahöstlichen Region ein Netzwerk schiitischer Milizen aufzubauen. Mit deren Hilfe hat es der 62-Jährige nicht nur geschafft, die iranische Einflusssphäre abzusichern und auszuweiten. Er hat so auch „Instrumente“ geschaffen, die militärisch und politisch wie ferngesteuerte iranische Satelliten agieren können. Nicht nur im Irak, sondern auch im Libanon (Hisbollah) oder in Syrien. Dort haben die Iraner Diktator Baschir al-Assad entscheidend zu dessen Siegen über die Rebellen verholfen. Auch im jemenitischen Bürgerkrieg mischte Soleimani mit der Unterstützung der Houthi-Rebellen mit.

Genau dieses von Soleimani geschaffene Konstrukt macht die jetzige Lage so gefährlich und unberechenbar. Denn jeder Gegner Irans muss sich darauf einstellen, an verschiedenen Fronten kämpfen zu müssen. Dies war bei kriegerischen Konflikten der USA in der Region bisher anders – etwa beim Kampf gegen den Irak Saddam Husseins oder gegen die Taliban in Afghanistan. Der Kampf war auf die jeweiligen Landesgrenzen beschränkt.

Wenn Elefanten kämpfen

Wie wird Teheran reagieren? Eine erste Front könnte im Irak verlaufen, dort stehen sich die schiitischen Milizen und die verbliebenen amerikanischen Truppen gegenüber. Das Gros der Iraker, das den schiitischen Milizen ja gar nicht angehört, wird bei diesem Konflikt nur zusehen. Getreu dem Sprichwort: Wenn zwei Elefanten miteinander kämpfen, leidet das Gras.

Dass eine Antwort Irans nicht ausbleiben wird, hat die Führung in Teheran bereits unmissverständlich zum Ausdruck gebracht. Der iranische Sicherheitsapparat will sich zusammensetzen, um über mögliche Antworten zu diskutieren. Die dreitägige Staatstrauer ist so gesehen wohl auch eine Atempause, in der man sich in Teheran überlegt, wo und wann man zuschlagen lässt – und wo es der USA und/oder der Weltwirtschaft am meisten wehtut. Sicher ist nur: Die iranischen Möglichkeiten, die Eskalation nach oben zu schrauben, sind schier unbegrenzt.

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