Corona RHEINPFALZ Plus Artikel Kommentar zur Kindkrank-Regel: Politik drückt sich

Kinderbetreuung und Lockdown: Große Versprechen, aber schwierige Umsetzung.
Kinderbetreuung und Lockdown: Große Versprechen, aber schwierige Umsetzung.

Staatliche Wohltaten zu versprechen ist einfacher als saubere Regeln dafür zu definieren. Das kann den Politikverdruss mehren.

Wenn das nicht toll klingt! Ein Arbeitnehmerehepaar mit zwei kleinen Kindern kann wegen Corona 80 Tage kindkrank nehmen – und der Arbeitgeber oder die Krankenkasse zahlen dafür. Wer das Versprechen der Kanzlerinnen-Runde vom Dienstag Ernst nimmt, dürfte die Corona-Welle und sogar noch deren Ausläufer locker überstehen. Dumm nur, dass die Rechtslage Ärzte daran hindert, Eltern gesunder Kinder krank zu schreiben. Von einer Gesetzesänderung haben die in diesem Fall zuständigen Politiker im Bund bisher aber nichts gesagt.

Kitas offen, Kinder unerwünscht

Klingt ebenfalls toll: In Rheinland-Pfalz bleiben Kindertagesstätten trotz der Corona-Pandemie offen. Eine gute Botschaft für berufstätige Eltern. Aber so ist sie gar nicht gemeint. Denn verbunden ist die Nachricht mit dem Appell, Eltern sollen ihre Kinder nur dann zur Kita bringen, wenn es gar nicht anders geht. Wann dieser Fall eintritt, sollen sie selbst definieren. Eltern werden in den Konflikt gejagt, einerseits loyal gegenüber dem Arbeitgeber sein zu wollen, andererseits Pandemieschutz zu betreiben. Sie werden von der Politik alleine gelassen, zurückgeworfen auf die soziale Kontrolle des Kita-Umfeldes, dem Personal und anderen Eltern.

Die Politik macht es sich an der einen wie an der anderen Stelle zu einfach, indem sie Regelungen verweigert. Wer die Verheißungen hört, doch am Ende mit den Betreuungsproblemen alleine bleibt, fühlt sich verschaukelt.

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