Fanproteste RHEINPFALZ Plus Artikel Kommentar: Wem der Fußball gehört

Protest gegen den DFB in der Causa Hopp: Es geht auch ohne Schimpfworte, hier Fantransparente beim Pokalspiel in Leverkusen am M
Protest gegen den DFB in der Causa Hopp: Es geht auch ohne Schimpfworte, hier Fantransparente beim Pokalspiel in Leverkusen am Mittwochabend.

Schmähgesänge auf den Rängen, Hasskommentare im Netz: für die einen ein Ausdruck von Meinungsfreiheit, für die anderen muss das weg. Beide Lager haben Argumente, und sie müssen zueinander finden.

Ob die Westkurve auf dem Betzenberg oder die Gelbe Wand bei Borussia Dortmund – die ganz harten Fans machen einen Riesenteil der Faszination des Fußballs aus. Die Gesänge, die Trommeln, die Ekstase Tausender gemeinsam Hüpfender – berauschend. Auch deswegen ist der Fußball Nationalsport Nummer eins. Aber es sind nicht nur Gesänge des Anfeuerns zu hören, nicht nur liebevoll gemachte Transparente zum Lob des eigenen Vereins sind da zu sehen. Nein, es gibt in Stadien und auf dem Weg dahin auch Asoziales und Gewaltstiftendes.

Nicht erst seit den Aktionen gegen Dietmar Hopp, den Mäzen der TSG Hoffenheim, ist das ein Problem. Bayern Münchens langjähriger Boss Uli Hoeneß wurde früher ähnlich angefeindet. Schlachtrufe in Stadien sind für viele ein Ventil, um ganz persönliche Befindlichkeiten unter dem Mantel kollektiver Parolen auszuleben. Im Fußball spiegeln sich gesellschaftliche Verwerfungen. In den Stadien sitzen und stehen ja Schichten und Lager, die sonst wenig Berührungspunkte haben: der kleine Mann genauso wie der Vorstandsvorsitzende, der Rassist genauso wie der Weltbürger. Und so gibt es in Stadien Schmährufe gegen Dunkelhäutige, aber auch Parolen gegen Rassismus.

Ein Fall für den Staatsanwalt

Konkret aber zur Causa Hopp: Hier geht es nicht zuletzt um die Frage, ob ein Mensch öffentlich beleidigt oder gar in einem Fadenkreuzbild gezeigt werden darf. Die Antwort ist: Nein. Das muss ein Fall für den Staatsanwalt sein. Genauso übrigens wie Hasskommentare im Internet. Es gibt sie aber, und leider sind rechtsfreie Räume entstanden: im Netz, aber auch in Fankurven. Dass Ordnungskräfte Angst davor haben, in einen Block zu gehen – erschreckend! Ultras nehmen für sich in Anspruch, die wahren Fans zu sein. Dass ihnen der Fußball mehr gehöre als anderen. Und sie wehren sich gegen Kollektivstrafen, die der DFB verhängt, weil die Dortmunder Ultras (nach Jahren unablässiger Schmähungen gegen Hopp) zwei Jahre lang für Spiele in Hoffenheim gesperrt sind. Das ist drakonisch. Zu lösen wäre dies, indem sie sich mäßigen in ihrem Ton. Und indem die Hausherren der Stadien identifizieren, wer sich danebenbenimmt. Und einzeln sanktionieren.

Die Klubs haben indes Angst, Jahrestickets von Hetzern zu sperren. Denn ohne besagte Fanatmosphäre ist der Spaß ein anderer. Und es geht ja auch ums Geschäft. Diesbezüglich müssen die Fans aber eines einsehen: Die Deutungshoheit liegt nicht nur bei ihnen. Sonst gäbe es die schönen Stadien nicht, sonst würden nicht so tolle (teure) Spieler in der Bundesliga kicken. Dass Mäzene wie Hopp oder Dietrich Mateschitz bei RB Leipzig sehr schnell neue Vereine ins Oberhaus gebracht haben, mag den Fans anderer, traditionsreicher Farben aufstoßen. Es ist heuchlerisch. Wie not Geld tut, merken doch die Roten Teufel schmerzlich seit nun einigen Jahren. Und was unterscheidet bitte eine Million von Hopp von einer Million von Evonik oder Schwarzwaldmilch?

Hetze senkt Schwelle zur Gewalt

Dass Ultras die Kommerzialisierung beklagen, ist gleichwohl zu begrüßen. Aktionen gegen die Funktionärs- und Managerriege haben auch einiges zum Guten bewirkt. So blieben Stehplätze erhalten. Aber muss Meinungsäußerung in Gossensprache geschehen? Nein! Macht es die Proteste authentischer? Nein! Wiegt der Einsatz von Ultras gegen Antisemitismus die Hetze gegen Hopp auf? Nein! Die Vereine, der DFB, die DFL und die Ultras sollten am Ende gemeinsam eins beherzigen: Der Fußball gehört allen. Er hat Vorbildcharakter. Jede Hetze senkt die Schwelle zur Gewalt; sie ist auch unsportlich.

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