Politik Kommentar: Mahnung

Bei der SPD lagen die Demoskopen schon öfter daneben. Deshalb taugt das
aktuelle Stimmungsbild nicht als Prognose für die Bundestagswahl.
Erst hat man kein Glück – dann kommt auch noch Pech dazu. Wie oft haben die führenden Sozialdemokraten diesen Fußballer-Spruch in diesem Wahljahr wohl schon in Kopf und Herzen hin- und herbewegt. Jedenfalls war der Höhenflug des Überraschungs-Kanzlerkandidaten Martin Schulz schon lange im Abflauen, als die Regierungskrise in Hannover der SPD erneut einen Tiefschlag versetzte. Dass die alte Wunschkonstellation Rot-Grün bei der Bundestagswahl nach menschlichem Ermessen keine Chance hat, das macht der Blick auf die Umfragen schon seit Monaten deutlich. Aber dass nun auch die letzte rot-grüne Koalition in einem Flächenland am Ende ist – darauf hätte die SPD sicher gerne verzichtet. Nach Wahlniederlagen bei den vorigen Bundestagswahlen, besteht die Gefahr, dass 2017 vollends zum schrecklichen Jahr für die Sozialdemokraten werden könnte. In den Umfragen sind sie auf den schlechten Wert zurückgefallen, der Sigmar Gabriel im Januar bewog, die Kanzlerkandidatur Schulz zu überlassen. Schon zweimal ist damit Realität geworden, was die Demoskopen eigentlich für ausgeschlossen hielten: Sie hatten einen so machtvollen Aufschwung, wie Schulz ihn zunächst erlebte, nicht für möglich gehalten. Und sie hielten für ausgeschlossen, dass dieser in sich zusammenbrechen könnte. Beides ist geschehen und sollte Mahnung genug sein, das aktuelle Stimmungsbild nicht als vorweggenommenes Ergebnis der Bundestagswahl misszuverstehen.