Politik Kommentar: Donald Trumps rechte Hand

Richard Grenell, US-Botschafter in Deutschland, ist wie sein Boss: laut und undiplomatisch. Genau so will es auch der US-Präsident.
Botschafter sind die persönlichen Vertreter eines Staatsoberhauptes. In der US-Diplomatie gilt das ganz besonders. Viele Botschafterposten gehen nicht an Karrierebeamte, sondern an Weggefährten und Finanziers eines US-Präsidenten. Im Falle Richard Grenells darf man davon ausgehen, dass er Zugang zum innersten Zirkel im Weißen Haus hat. Er arbeitete für Sicherheitsberater John Bolton, er war lange für das Internetportal Breitbart tätig, das Sprachrohr der Trump-Basis. Und seine Art, sich eher als Statthalter denn als Vermittler zu gerieren, dürfte seinen Chef in Washington geradezu entzücken. Dass Grenell in Europa „Konservative“ fördern will, konkret: Leute wie Österreichs Kanzler Sebastian Kurz, den er einen „Rockstar“ nennt, passt ins Bild. Es geht dabei um das Herzensthema des US-Präsidenten: ungesteuerte Einwanderung, gegen die auch Kurz Front gemacht hat. Bequem für die Deutschen war noch kein US-Botschafter. Auch ein John Kornblum wusste (und weiß bis heute) die Deutschen zu lehren, dass sie zu wenig Geld ins Militär stecken. Grenell wird von Breitbart als Trumps rechte Hand in Europa betrachtet. Mag sein. In dem Fall hätte der US-Präsident Machtinstinkt bewiesen: Sein wichtigster Stellvertreter in Europa säße nicht in Brüssel, Paris oder London, sondern in Berlin. So oder so: Man sollte Grenell genau zuhören, will man die Trump-Ära nicht nur aussitzen. Klare Antworten auf seine Vorstöße muss er aber bekommen, fürs Lavieren hat er nur Verachtung.