Politik
Kommentar: Die Türkei geht in Libyen große Risiken ein
Die Türkei ist nicht der einzige ausländische Akteur, der in Libyen mitmischt. Hinter der Machtdemonstration eines Einmarsches steckt kein wirklicher Plan. Ein großes Problem droht mit Russland.
Mit ihrer Entscheidung, Truppen nach Libyen zu entsenden, geht die Türkei ein großes Risiko ein. Die Truppenentsendung nach Libyen unterstreicht vor allem den türkischen Machtanspruch in der Region – mit Verweis auf das untergegangene Osmanische Reich. Doch in Libyen könnten türkische Soldaten in Kämpfe mit russischen Söldnern verwickelt werden, die auf Seite des rebellischen Generals Haftar stehen.
Die Türkei braucht indes das Wohlwollen Russlands im Syrien-Konflikt, der sich in unmittelbarer Nachbarschaft abspielt. Kurz vor einem Besuch von Kremlchef Putin bei Erdogan am Mittwoch hatte die türkische Regierung deshalb signalisiert, dass sie möglicherweise auf die Entsendung von Kampftruppen verzichten werde. Am Sonntagabend hieß es fast abwiegelnd: Aufgabe der türkischen Soldaten in Libyen sei „Koordination“ und die Einrichtung eines „Einsatzzentrums“.
Manche Kritik ist scheinheilig
Festzuhalten ist indes auch: Manche Beschwerden über das türkische Verhalten sind scheinheilig. Erstens: Die Türkei unterstützt die von den UN anerkannte Einheitsregierung in Tripolis. Zweitens: Präsident Erdogan ist nicht der einzige ausländische Akteur, der in Libyen mitmischt. Ohne die Hilfe Russlands, Ägyptens und der Vereinigten Arabischen Emiraten wäre Rebellengeneral Haftar kaum in der Lage, die Regierung in Tripolis in Bedrängnis zu bringen.
Unterm Strich präsentiert sich die türkische Außenpolitik in der Libyen-Frage planlos. Eine Machtdemonstration ist eben kein