Gerhard Schröder RHEINPFALZ Plus Artikel Kein „mea culpa“ vom Altkanzler

Eitel und kein bisschen weise: Altkanzler Gerhard Schröder.
Eitel und kein bisschen weise: Altkanzler Gerhard Schröder.

Spätestens jetzt schütteln auch die Amerikaner die Köpfe über unseren Altkanzler Gerhard Schröder (SPD): Am Wochenende hat der 78-Jährige der „New York Times“ ein denkwürdiges Interview gegeben. Darin fabuliert Schröder, warum er trotz des russischen Angriffs auf die Ukraine noch immer nicht von seinem gut bezahlten Posten als Lobbyist für russische Gaskonzerne zurücktreten wolle. Schröder, so lässt er uns wissen, sehe sich als Vermittler. Daher wolle er den guten Draht zum russischen Präsidenten Wladimir Putin (69) nicht verlieren. Seit seiner Zeit als Kanzler (1998 bis 2005) ist Schröder eng mit Putin befreundet. „Ich habe immer deutsche Interessen vertreten“, sagt er. „Ich tue, was ich kann. Wenigstens eine Seite vertraut mir.“

Ein Platz am Riesentisch

Schröders erster Versuch als Vermittler ist allerdings krachend gescheitert: Der frühere SPD-Chef reiste im März gut zwei Wochen nach Kriegsbeginn nach Moskau, um mit Putin zu sprechen. Dem Bericht der „New York Times“ zufolge wurde er vom russischen Präsidenten im Kreml wie ein Staats- oder Regierungschef empfangen. So wie Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD, 63) und der französische Präsident Emmanuel Macron (44) wenige Wochen zuvor sprach er mit Putin an einem inzwischen berühmt gewordenen sechs Meter langen Riesentisch.

Zu den Details des Gesprächs äußert sich Schröder nicht, zeigte aber erschreckend viel Verständnis für den Terroristen im Kreml: „Was ich Ihnen sagen kann, ist, dass Putin daran interessiert ist, den Krieg zu beenden. Aber das ist nicht so leicht. Da gibt es ein paar Punkte, die geklärt werden müssen.“ Um welche Punkte es sich dabei handeln könnte, das verschwieg der Altkanzler. Zwar sei der Krieg ein „Fehler“ und das Massaker von Butscha müsse untersucht werden. Er glaube aber nicht, dass die Befehle von Putin gekommen seien, sondern von niedrigeren Stellen.

„Das ist nicht mein Ding“

Im Juni könnte sich das Thema Schröder für die Sozialdemokraten noch einmal zuspitzen. Dann findet nämlich die Hauptversammlung des Energieriesen Gazprom statt, bei der Schröder in den Aufsichtsrat gewählt werden soll. In dem Interview ließ Schröder offen, ob er die Nominierung annehmen wird.

Ein Schuldbewusstsein wegen seiner engen Bindungen zu Russland hat der Altkanzler jedenfalls nicht. „Ich mache jetzt nicht einen auf mea culpa (meine Schuld)“, sagt er. „Das ist nicht mein Ding.“

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