Politik RHEINPFALZ Plus Artikel Katarina Barley im Interview: „Wir haben der EU so viel zu verdanken“ (mit Video)

„In Deutschland sind zwölf Euro absolut angemessen“: Katarina Barley über den Mindestlohn.
»In Deutschland sind zwölf Euro absolut angemessen«: Katarina Barley über den Mindestlohn.

Die SPD-Spitzenkandidatin für die Europawahl, Katarina Barley, fühlt sich als Europäerin „durch und durch“. Sie glaubt, dass ein sozialeres Europa das Brexit-Votum vielleicht verhindert hätte. Deshalb kämpft sie für einen europäischen Mindestlohn und weniger Rüstungsexporte. Und sie hat eine Lösung, wie Flüchtlinge in Europa verteilt werden könnten.

Frau Barley, Ihre Mutter ist Deutsche, Ihr Vater Brite, Sie sind in Köln geboren, haben in Paris studiert und wohnen in Trier und Berlin. Künftig werden Sie in Brüssel leben. Haben Sie eine Heimat?

Ja, meine Geburtsstadt Köln ist meine Heimat. Die werde ich nie verlieren. Und an der Mosel bin ich jetzt schon mein halbes Leben, das ist auch meine Heimat. Wenn ich über die Hänge und Hügel fahre, weiß ich, dass ich zuhause bin. Laut einer Umfrage kennen 45 Prozent der Bürger die deutschen EU-Spitzenkandidaten nicht. Sie schneiden noch am besten ab mit 39 Prozent. Wie erklären Sie sich diesen geringen Bekanntheitsgrad? Wenn Sie fragen würden, wer die deutsche Bildungsministerin ist, würden Sie wahrscheinlich über die Werte erschrecken. Das hängt aber auch damit zusammen, dass diese Regierung erst ein Jahr im Amt ist. Bei mir sind es zwei Jahre, weil ich zuvor noch Familienministerin war. Aber als Justizministerin steht man ja nicht immer im Fokus. Ich bin mit meinem Umfragewert nicht unzufrieden, wenn ich ihn vergleiche mit dem der anderen EU-Kandidaten, die auch in ihrer Partei wichtige Funktionen haben. Immer mehr Menschen sind offenbar der Meinung, der Nationalstaat könne besser für sie sorgen als die EU. Wie wollen sie die Wähler vom Gegenteil überzeugen? Viele Menschen realisieren gar nicht, was in Europa alles beschlossen wird, und wie stark europäische Vorgaben Einfluss haben auf die nationale Politik. Wir erleben vieles als selbstverständlich, was wir der Europäischen Union zu verdanken haben. Bei mir in der Region gibt es 200.000 Berufspendler ins Ausland, das ist eine riesige Zahl. Aber es läuft reibungslos. Wir haben eine einheitliche Währung in vielen Ländern Europas. Wir können unkompliziert in anderen Ländern studieren und arbeiten, wir führen Waren ein und aus, haben einheitliche Produktstandards. Das ist alles das Verdienst der EU.

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