Politik Kardinal Meisner – streitbar bis zuletzt

Rebellierte selbst gegen Papst Franziskus: Joachim Meisner.
Rebellierte selbst gegen Papst Franziskus: Joachim Meisner.

Mit dem Gebetbuch in den Händen – so soll Joachim Meisner gestern in seinem Urlaubsort Bad Füssing im Alter von 83 Jahren „friedlich eingeschlafen“ sein. Das berichtet sein Nachfolger im Amt, der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki.

Friedlich – das war für Meisner ein Fremdwort, wenn er einem Angriff auf die römisch-katholische Lehre gewahr wurde. Seine Aufgabe sah er darin, die katholische Kirche auf Kurs zu halten, die kirchlichen Positionen gegen die Anfechtungen der Moderne zu verteidigen, den „Glauben zu bewahren“. Mehr als 25 Jahre – vom Jahr des Mauerfalls 1989 bis 2014 – stand der in Breslau geborene, streng konservative und streitlustige Kardinal an der Spitze der Erzdiözese Köln. Der Kardinal galt lange als einflussreicher Vertreter des konservativen Flügels unter den deutschen Bischöfen mit einem guten Draht zu den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI., dem vormaligen obersten Glaubenshüter Kardinal Joseph Ratzinger. Meisner war ein erklärter Gegner der Abtreibung oder der Beihilfe zur Selbsttötung. Auf seine Initiative hin und gegen den Willen anderer Bischöfe verfügte Johannes Paul II. 1999 den Ausstieg der deutschen Kirche aus der staatlichen Schwangerenberatung. Keine katholische Beratungsstelle sollte mehr den Schein ausstellen, der zu einer Abtreibung berechtigt. Meisner hat polarisiert. Immer wieder fiel er durch umstrittene Äußerungen auf: So verglich er am Dreikönigstag 2005 Abtreibungen mit dem Holocaust: „Zuerst Herodes, der die Kinder von Bethlehem umbringen lässt, dann unter anderem Hitler und Stalin, die Millionen Menschen vernichten ließen, und heute, in unserer Zeit, werden ungeborene Kinder millionenfach umgebracht.“ Kurz darauf bedauerte er den Vergleich. Später brachte er viele Muslime gegen sich auf. Mit Blick auf katholische Familien hatte er gesagt: „Eine Familie von euch ersetzt mir drei muslimische Familien.“ Kritik folgte prompt. Seine Wortwahl nannte er darauf „vielleicht unglücklich“. Im Herbst 2016 rebellierte Meisner gegen Papst Franziskus. Mit drei anderen Kardinälen machte er öffentlich Front gegen das Schreiben „Amoris laetitia“. Denn dass darin Katholiken eingeräumt wird, auch in zweiter Ehe in Einzelfällen die Kommunion empfangen zu können, das ließ dem Kardinal keine Ruhe. Er war streitbar bis zuletzt.

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