Politik Kanada tickt anders

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„Wir heißen Kanadier jeder sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität Willkommen. Schließt euch uns an.“ So schreiben es die Streitkräfte Kanadas im Kurznachrichtendienst „Twitter“, gemäß dem Motto: „Vielfalt ist unsere Stärke“. Illustriert wird der Tweet mit einem Foto, das Instrumente der Band der Marine zeigt, die mit den Regenbogenfarben der Gemeinde der Lesben, Schwulen und Transgender geschmückt sind. Die Internetbotschaft aus Ottawa war eine Reaktion auf eine Stellungnahme des Oberbefehlshabers der USA vom Mittwoch: US-Präsident Donald Trump hatte überraschend – ebenfalls auf „Twitter“ – bekanntgegeben, dass Transgender nicht mehr dienen dürften. Die US-Armee müsse sich auf den „entscheidenden und überwältigenden Sieg“ konzentrieren und dürfe nicht abgelenkt werden. Er begründete seinen überraschenden Schritt zudem mit den Kosten, die Transgender-Soldaten verursachten. Transgender sind Menschen, die sich mit dem Geschlecht, das ihnen bei Geburt aufgrund körperlicher Merkmale zugewiesen wurde, nicht oder nicht völlig identifizieren können. Erst seit vergangenem Jahr ist diese Gruppe in den USA zum Militärdienst zugelassen. Der damalige Verteidigungsminister Ashton Carter hatte das im Juni 2016 durchgesetzt. Er machte es Mitgliedern der Streitkräfte auch möglich, dass sie ihr Geschlecht auf Steuerkosten angleichen können. Kostenpunkt: insgesamt zwischen zwei und vier Millionen Dollar im Jahr. Das klingt viel, ist aber nicht mehr als 0,13 Prozent der medizinischen Kosten des US-Militärs. Bis zu 6600 Transgender-Soldaten soll es in den USA geben. Was aus ihnen wird, ist unklar. Das Pentagon bemühte sich gestern, den Ball flach zu halten: Vorerst ändere sich nichts, denn es gebe bisher keine amtliche Anweisung des Verteidigungsministers, sagte der oberste US-Militär, General Joe Dunford. Betroffene aus den USA könnten jedenfalls nach Kanada immigrieren, wo Transgender bereits seit 1992 dienen dürfen. Auch in Deutschland, Frankreich oder Großbritannien gibt es Uniform tragende Transgender. In Kanada sind es 200 – ohne dass die Truppe in ihrer Schlagkraft beeinträchtigt wäre. Im Gegenteil: Die Regierung in Ottawa sei entschlossen, Streitkräfte aufzubauen, die „Kanadas Ideale von Diversität, Respekt und Inklusion“ reflektieren, sagte die Sprecherin von Verteidigungsminister Harjit Sajjan.

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