Politik
Kaffeearten durch Klimawandel bedroht
Kaffee ist der Deutschen liebstes Getränk, noch vor Mineralwasser oder Bier. Statistisch schlürft jeder Deutsche täglich 3,4 Tassen des braun-schwarzen Getränks in sich hinein. Weltweit werden, glaubt man den Statistikern, jeden Tag 1,4 Milliarden Tassen Kaffee ausgeschenkt. Doch wie lange noch?
Forscher aus den USA (jenem Land, das beim Kaffeekonsum pro Kopf an der Spitze steht) schlagen Alarm. Wegen des Klimawandels und der damit verbundenen Gefahr auch für wilde Kaffeearten. Denn der Genpool, den die wilden Vertreter des Kaffeestrauchs bilden, ist überaus wichtig für die Kaffeewirtschaft– und damit für die Kaffeekultur als solche. Heutzutage basiert die Produktion, die größtenteils von 100 Millionen Kleinfarmern geleistet wird, im Wesentlichen auf zwei Sorten Kaffeebohnen: Coffea arabica und Coffea robusta. Robusta, die erst später verwendete Variante, schmeckt weniger vollmundig – hat aber den Vorteil, dass sie widerstandsfähiger ist gegenüber Krankheiten.
Kaffeestrauch ist eine Mimose
Um Widerstandsfähigkeit, so legen die US-Forscher unter dem Dach der prestigeträchtigen American Association for the Advancement of Science in ihrem gestern erschienenen Bericht dar, geht es auch mit Blick auf den Kaffeegenuss in Zeiten des Klimawandels. Denn der Kaffeestrauch ist in Wahrheit eine Mimose. Es darf ihm nie zu kalt werden, er liebt es halbschattig, außerdem muss es genügend oft regnen. Im Zuge des weltweiten Anstiegs der Durchschnittstemperatur jedoch wird es in vielen Ecken der Welt, wo Kaffee angebaut wird, heißer und trockener. Auch können sich neue Schädlinge breitmachen. Wenn eine bisher angebaute Kaffeeart mit den sich verändernden Bedingungen nicht klarkommt, geht sie ein. Ein Ausweg ist, ertragreiche Sorten mit wilden Kaffeesorten, die besser an eine heißere und/oder trockene Umgebung angepasst sind, zu kreuzen. Doch ausgerechnet Kaffeearten haben den US-Wissenschaftlern zufolge ein sehr viel höheren Risiko auszusterben als andere Pflanzen. Genauer: Von 124 wilden Kaffeearten sind 75 akut bedroht. Schwerpunktländer sind dabei Madagaskar und Tansania. Fast die Hälfte der wilden Kaffeearten findet sich überdies in keiner der mittlerweile über den Erdball verstreuten Samenbanken. Es sei Zeit zum Umdenken, finden die Forscher. Am besten bei einer Tasse heißen Kaffees.