Politik Köln: Offizielle Eröffnung Zentralmoschee des Islamverbandes Ditib

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Die Einweihung der Kölner Zentralmoschee des Islamverbandes Ditib durch den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan haben seine Anhänger in einer Art Wahlkampf-Stimmung gefeiert.

In der Venloer Straße im Kölner Multikulti-Stadtteil Ehrenfeld haben sich die Anhänger schon seit den frühen Morgenstunden eingefunden. Sie haben sich vor der Polizei-Absperrung versammelt. Dahinter steht die Zentralmoschee des Islamverbandes Ditib, die laut Ankündigung um 14 Uhr durch Erdogan offiziell eröffnet werden soll. Die Anhänger hier sind nicht nur aus Deutschland gekommen, manche sind dafür aus den benachbarten Ländern Holland, Belgien sowie Frankreich nach Köln angereist.

Handzeichen, Schals und Aufschriften

Auf einem Teil der Venloer Straße herrscht eine Art Volksfeststimmung – allerdings ein Volksfest im Zeichen von türkischem Nationalismus, Islamismus und rückwärtsgewandter Sehnsucht nach Osmanentum. Die meisten tragen eine türkische Fahne. Aber auch vereinzelte Fahnen von Palästina, Bosnien und Albanien sind zu sehen sowie Parteifahnen der türkischen Regierungspartei AKP und der als ultranationalistischen MHP. Diese Partei agiert seit geraumer Zeit als Unterstützer Erdogans. Manche der Jugendlichen formen ihre Hand zum Zeichen der rechtsextremen Grauen Wölfe. Eine Gruppe von jungen Männern hat sich Schals um die Schulter geworfen, auf denen der Name „Sedat Peker“ steht – ein bekannter türkischer Rechter mit krimineller Vergangenheit, der sich mittlerweile als Anhänger Erdogans ausgibt. Viele andere tragen Schals mit dem Namen und Konterfei des türkischen Präsidenten, einige haben sich rote Stirnbänder um den Kopf gebunden. Sie tragen Aufschriften wie, „Wir sind alle Enkel der Osmanen“ oder „Recep Tayyip Erdogan. Enkel der Osmanen“. Aber auch akustisch scheint dieser Teil der Venloer Straße fest in der Hand der Erdogan-Anhänger. Die Menge skandiert immer wieder den Namen „Recep Tayyip Erdogan“. Ebenfalls sind Sprüche zu hören wie „Bleib aufrecht, dieses Volk steht hinter dir“, „Wie glücklich ist der, der sagen kann, ich bin Türke“ oder „Wir sind Soldaten Erdogans“. Im Hintergrund ertönt über einen Lautsprecher Janitscharenmusik, die ursprünglich Militärmusik der Osmanen war. Über einen zweiten Lautsprecher wird an etwas entfernter Stelle das Wahlkampflied der AKP gespielt – das Lied namens „Dombra“, das vom Sänger und kurzzeitigen AKP-Abgeordneten Ugur Isilak 2014 als Lobeshymne für Erdogan komponiert wurde.

Empörung über Transparent

In der Menge der Erdogan-Anhängerschaft kommt es kurz zu einer Aufregung, als von einem der umliegenden Häuser aus einem Fenster im dritten Stockwerk ein Transparent herunter gehisst wird mit der Aufschrift „Erdogan not welcome“. Die Menge reagiert empört. Steine fliegen gegen das Fenster, viele andere versuchen mit ihren Handys die Verantwortlichen zu filmen. Diese versuchen aber auch, die Menge zu provozieren, indem sie aus dem Fenster die Stinkefingergeste zeigen. Einige versuchen, durch die Eingangstür in das Haus zu gelangen. Später stellen zwei Anhänger im Gespräch untereinander mit Genugtuung fest, dass „Jugendliche“ in die Wohnung im dritten Stock gelangt seien, um diese zur Rechenschaft zu ziehen. Aber auch vereinzelte Gegendemonstranten, die mit Transparenten auf die Inhaftierten in der Türkei hinweisen wollen, werden weggeschickt. Die Menge ist zur Huldigung ihres Präsidenten da, nicht um Diskussionen um Demokratie oder Rechtsstaatlichkeit zu führen. Überhaupt: Sie können nicht verstehen, warum ihr Präsident eine so schlechte Presse hat in Deutschland. Dieses Unverständnis herrscht nicht nur in der Menge vor. Auch ein Journalist, der als Kolumnist für die Zeitung Karar in der Türkei aus Deutschland zuarbeitet, erläutert im Gespräch, dass das schlechte Image vor allem der deutschen Seite geschuldet sei. Er sieht das Problem eher darin, dass Deutschland der Türkei oberlehrerhaft begegne und sich das gewandelte Selbstverständnis der Türkei nicht zur Kenntnis nehme. Argumente wie Abbau von Demokratie oder Rechtsstaatlichkeit bestimmen hier nicht die Wahrnehmung.

Begeisterung trotz Verspätung

Endlich kommt Erdogan in der Moschee an und beginnt seine Rede mit über zwei Stunden Verspätung. Die Menge ist begeistert, egal was er sagt, Hauptsache sie hören ihn. Die Rede wird über Lautsprecher auf die Straße übertragen. Viele verfolgen die Rede mit ihren Handys, die von türkischen Fernsehsendern live übertragen wird. Die Moschee diene dem Zusammenleben der Menschen, sagt Erdogan an einer Stelle, und fügt hinzu: „So erwarten wir, dass das auch anderswo in Deutschland möglich wird.“ Seine Anhänger zumindest sind glücklich, dass Erdogan nach Köln kam. Eine Frau sagt, dass sie natürlich traurig sind, ihn nicht vor Ort gesehen zu haben. „Aber wir waren so nah dran, das macht uns glücklich und erfüllt uns mit Stolz.“

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