Politik Junge Leute – eine bedrohte Spezies?
Am 12. August, also nächsten Dienstag, ist der internationale Tag der Jugend. Nur: Wo ist diese Jugend eigentlich?
In Deutschland leben jedenfalls so wenige junge Leute wie noch nie. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts waren Ende vergangenen Jahres rund 8.3 Millionen Menschen, also zehn Prozent der Bevölkerung, zwischen 15 und 24 Jahre alt. Das war auch schon mal anders: Anfang der 80er-Jahre, als die Generation der Babyboomer jung war, war jede sechste Person in Deutschland (16,7 Prozent) im jugendlichen Alter.
Auf dem jetzigen Tiefststand liegt der Anteil bereits seit Ende 2021. Dass er seitdem nicht noch weiter gesunken ist, liegt laut den Statistikern vor allem daran, dass seit dem Krieg gegen die Ukraine ab 2022 viele jüngere Menschen von dort nach Deutschland geflüchtet sind.
Besonders selten sind junge Leute in den ostdeutschen Bundesländern. In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sind nur knapp neun Prozent der Bevölkerung zwischen 15 und 24 Jahre alt. Den höchsten Anteil gibt es dagegen in den Stadtstaaten Bremen (11,1 Prozent) und Hamburg (10,5 Prozent) sowie in Baden-Württemberg (10,5 Prozent). Nicht sonderlich überraschend angesichts der Entwicklung, dass schon seit Jahren junge Leute aus ländlichen Gegenden in die Städte und vom Osten in den Westen ziehen.
Im Rest der EU sehen die Zahlen nur geringfügig besser aus: Hier liegt Deutschland knapp unterhalb des Durchschnitts von 10,7 Prozent. Den höchsten Anteil an 15- bis 24-Jährigen haben demnach Irland (12,6 Prozent) und die Niederlande (12,3 Prozent); den niedrigsten verzeichnen Bulgarien (9,2 Prozent) und Litauen (9,5 Prozent).
Und was heißt das nun für die selten gewordenen jungen Leute in Deutschland? Zuerst einmal weniger Konkurrenz, wenn es um Ausbildungs- und Studienplätze oder Jobs geht – Fachkräftemangel sei Dank. Gleichzeitig dürfen sie aber auch die Rente für die Babyboomer finanzieren, die weiterhin deutlich in der Überzahl sind, und sich später um noch mehr Pflegebedürftige kümmern. In den strukturschwachen Regionen, aus denen die Jungen ohnehin wegziehen, wird es zwangsläufig weniger Angebote für die Jugendlichen geben – ein Grund mehr, das sinkende Schiff zu verlassen.
In diesem Sinne: Frohen Tag der Jugend!