Frankreich Jugendliche nach Enthauptung eines Lehrers vor Gericht
Der 47 Jahre alte Paty wurde ermordet, nachdem er in einer Unterrichtsstunde zum Thema Meinungsfreiheit umstrittene Mohammed-Karikaturen gezeigt hatte. Paty hatte es seinen Schülerinnen und Schülern freigestellt, den Raum zu verlassen, falls sie diese nicht sehen wollten. Diese Vorsichtsmaßnahme wurde ihm zum Verhängnis.
Eine damals 13 Jahre alte Schülerin – die an dem Tag gar nicht zum Unterricht erschienen war – erzählte ihrem Vater davon. Dieser wiederum verbreitete ein Video, in dem er behauptete, Paty habe gezielt muslimische Schüler aus der Klasse geschickt, um den anderen erniedrigende Darstellungen Mohammeds zu zeigen. Die Schülerin ist nun wegen Verleumdung angeklagt und muss im Fall einer Verurteilung mit bis zu zweieinhalb Jahren Haft rechnen.
Hetzkampagne in Online-Diensten
Die Hetzkampagne in den Onlinediensten nahm ihren Lauf und erreichte den 18 Jahre alten Abdulach Ansorow. Dieser war mit fünf Jahren aus Russland nach Frankreich gekommen, hatte zu dem Zeitpunkt eine Aufenthaltserlaubnis und war seit mehreren Monate radikalisiert. Den Lehrer kannte er nicht. Am letzten Schultag vor den Herbstferien lauerte Ansorow dem Lehrer auf. Er nahm die Hilfe mehrerer Jungen in Anspruch, die ihm beschrieben, wie Paty aussah und wo er gewöhnlich nach der Schule lang ging. Für diese Dienste soll der Täter mehrere hundert Euro bezahlt haben. Fünf Jungen, die damals 14 oder 15 Jahre alt waren, sind angeklagt wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung zur Vorbereitung einer schweren Gewalttat.
Vorwurf: Bildung einer terroristischen Vereinigung
Neben den sechs Minderjährigen müssen sich in einem weiteren Verfahren auch acht Erwachsene vor Gericht verantworten. Zu ihnen zählen zwei Freunde des von der Polizei bei der Festnahme erschossenen Täters, die ihn beim Waffenkauf und auf dem Weg zum Tatort begleitet haben sollen. Ihnen drohen lebenslange Haftstrafen. Der Vater der angeklagten Schülerin und ein weiterer Mann, die in Onlinediensten die Polemik gegen Paty anfachten, sollen sich wegen Bildung einer kriminellen terroristischen Vereinigung vor Gericht verantworten. „Auch wenn Abdulach Ansorow allein gehandelt hat, ist das Verbrechen das Ergebnis einer Reihe von strafbaren Aktionen“, heißt es in der Anklageschrift. Paty sei vor der Tat „sehr besorgt“ gewesen mit Blick auf „das Ausmaß und die Aggressivität der Polemik“.
Drei Jahre nach dem Mord an Samuel Paty erschütterte ein weiterer tödlicher Angriff eines jungen Dschihadisten auf einen Lehrer das Land. Ein ebenfalls aus Russland stammender 20-Jähriger, der sich zum Dschihadismus bekannte, erstach im nordfranzösischen Arras den Geschichtslehrer Dominique Bernard.