Politik Jugendämter: Mehr Kinder aus ihren Familien genommen

«Wiesbaden.» Die Jugendämter in Deutschland haben 2016 deutlich mehr Kinder und Jugendliche zeitweilig aus ihren Familien genommen als im Jahr davor. 84.200 Mädchen und Jungen wurden zu ihrem Schutz in Obhut genommen, wie das Statistische Bundesamt gestern in Wiesbaden mitteilte. Das entspricht einem Zuwachs von 8,5 Prozent. Die Gesamtzahl der Fürsorgemaßnahmen hat sich damit seit dem Jahr 2013 fast verdoppelt. Die Arbeiterwohlfahrt rief dazu auf, den Kinderschutz ernster zu nehmen. Viele Familien seien überlastet und allein nicht in der Lage, zum Wohle ihrer Kinder beizutragen. Hauptgrund für das hohe Niveau der Inobhutnahmen ist allerdings die Einreise von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. 2016 wurden 44.900 junge Flüchtlinge in Obhut genommen, 2600 mehr als 2015. Die Jugendämter sind verpflichtet, die Minderjährigen bei drohenden Gefahren, Gewalt oder Vernachlässigung aus ihren Familien zu nehmen und in einem Heim oder einer Pflegefamilie unterzubringen.