Politik Israels Luftwaffe zerstört iranische Stellungen in Syrien

Bereits vor den iranischen Raketenangriffen versetzte Israel seine Truppen auf den Golanhöhen in erhöhte Alarmbereitschaft.
Bereits vor den iranischen Raketenangriffen versetzte Israel seine Truppen auf den Golanhöhen in erhöhte Alarmbereitschaft.

Nach dem Raketenbeschuss der Golan-Höhen durch iranische Einheiten üben israelische Jets Vergeltung

«Jerusalem/Damaskus.» Israels Verteidigungsminister Lieberman zufolge haben die israelischen Luftschläge in der Nacht zu gestern „fast die gesamte militärische Infrastruktur“ in Syrien zerstört. Teheran unterstützt wie Moskau das Regime von Syriens Präsident Assad. Zu den Zielen, die getroffen worden seien, gehörten vornehmlich Einrichtungen der Quds-Einheiten der iranischen Revolutionsgarden, darunter ein Munitionsdepot am Damaszener Flughafen. Es seien auch fünf syrische Luftabwehrstellungen zerstört worden. Die israelische Aktion war – wie schon frühere Interventionen Israels im Nachbarland – mit Russland koordiniert worden. Das russische Militär kontrolliert weite Teile des syrischen Luftraums. Es pflegt einerseits enge Beziehungen zu Iran, andererseits versucht Moskau, Irans Einfluss in Syrien in Grenzen zu halten. Israels Premier Netanyahu hatte am Mittwoch in Moskau den russischen Präsidenten Putin getroffen. Das syrische Außenministerium verurteilte Israels Attacke. Der jüdische Staat und seine Unterstützer hätten sich „direkt in die Konfrontation“ eingeschaltet. Das sei ein Hinweis auf eine „neue Kriegsphase“. Die USA betonten, sie unterstützten „ausdrücklich“ Israels „Recht auf Selbstverteidigung“, und verhängten Sanktionen gegen drei Firmen und sechs Personen, weil sie die Al-Quds-Einheiten mit Millionen von Dollar versorgt haben sollen. Nach israelischen Angaben hatten iranische Einheiten am Mittwoch etwa 20 Raketen auf die von Israel kontrollierten Golan-Höhen abgefeuert. Die folgenden Luftangriffe seien eine Vergeltungsaktion gewesen. Aus regierungstreuen Kreisen in Syrien wurden die Raketenangriffe auf Israel bestätigt. Israel habe aber zuerst angegriffen, hieß es. Opfer soll es auf israelischer Seite nicht gegeben haben, die Schäden seien begrenzt, so das israelische Militär. In Syrien sollen nach Angaben syrischer Oppositionsquellen bis zu 23 Personen getötet worden sein. Russischen Militärangaben zufolge feuerte Israel rund 70 Raketen ab, davon etwa 60 aus 28 Kampfflugzeugen vom Typ F-15 und F-16. „Die Eskalationen der vergangenen Stunden zeigen uns, dass es wahrlich um Krieg und Frieden geht“, sagte gestern Bundeskanzlerin Merkel. Sie und Frankreichs Präsident Macron sowie der britische Außenminister Johnson ermahnten zu Besonnenheit. Ähnlich äußerte sich der russische Außenminister Lawrow: Man habe Israel aufgefordert, nichts zu unternehmen, was als „Provokation“ wirken könnte. Der neue Gewaltausbruch zwischen Israel und Iran geschah vor dem Hintergrund der Entscheidung von US-Präsident Trump, das internationale Atomabkommen mit Teheran nicht mehr einzuhalten. Irans Erzkonservative hatten den Vertrag von 2015 stets als Fehler betrachtet und die Regierung von Irans Präsident Rouhani für das Abkommen scharf angegriffen. Die Revolutionsgarden, die die iranische Präsenz in Syrien anführen, gelten als militärischer Arm der Erzkonservativen und unterstehen direkt dem Obersten Führer der Islamischen Republik Iran, Ayatollah Khamenei. Ein weiterer Hintergrund der neuen Eskalation ist die Konfrontation zwischen dem schiitischen Iran und den von Saudi-Arabien angeführten arabischen Golfstaaten, die mehrheitlich den sunnitischen Islam als Religion haben. „Solange Iran die Region destabilisiert und Länder mit ihren Truppen und Raketen verletzt, hat jedes Land in der Region, einschließlich Israel, das Recht sich zu verteidigen und Quellen der Gefahr zu zerstören“, teilte gestern Bahrains Außenminister Chalid mit. Die Stellungnahme ist bemerkenswert, weil Bahrain wie die meisten arabischen Staaten keine diplomatischen Beziehungen zu Israel unterhält. Seite 3

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