Meinung
Irans Entscheidung für Russland
Trotz vieler Beweise für den Einsatz iranischer Drohnen bei russischen Angriffen in der Ukraine leugnete die Führung in Teheran wochenlang, dass sie die Drohnen geliefert habe. Nun hat sie es zugegeben und sich damit im Ukraine-Krieg offiziell auf die Seite von Russland gestellt. Diese Richtungsentscheidung deutete sich schon vor dem Ausbruch der landesweiten Protestwelle gegen die Islamische Republik im September an und entspricht dem Weltbild der Regierung.
Revolutionsführer Ali Khamenei, der mächtigste Mann Irans, redet in jüngster Zeit viel von einer neuen Weltordnung, in der die Dominanz des Westens enden und Asien erstarken werde. Im kommenden Jahr wird der Iran offiziell der Schanghai-Organisation für Zusammenarbeit (SCO) beitreten, einem Bündnis unter Führung von Russland und China. Präsident und Khamenei-Schützling Ebrahim Raisi lobt die SCO als Beitrag zu einer „gerechten internationalen Ordnung auf der Basis von Partnerschaft“. Kurzfristig verspricht sich Teheran vom Bündnis mit Russland hohe Einnahmen aus Rüstungsgeschäften und Moskauer Beistand gegen mögliche neue Sanktionen des Westens.
Doch Russland ist nicht wohlhabend genug, um den Iran aus seiner Wirtschaftsnot zu retten. Das Geld für Drohnen und Raketen kann die iranische Staatskasse nicht sanieren. Außerdem bleibt Russland ein regionalpolitischer Rivale und Konkurrent der Iraner auf dem internationalen Ölmarkt. Mit dem Schwenk nach Moskau haben Khamenei und Raisi ihrem krisengeschüttelten Land keinen Gefallen getan.